Wenn es um eine Auffrischung der Corona-Impfung geht, sind sich die Behörden auf EU-Ebene und in Deutschland noch uneinig. Klar ist: In Deutschland richtet sich eine dritte Impfung an Ältere und Immunschwache. Jetzt muss geklärt werden, wann der Schutz der Impfung in den anderen Bevölkerungsgruppen nachlässt.

Mittlerweile sind 64,7 Prozent der Menschen in Deutschland vollständig geimpft (Stand: 4. Oktober). Bei vielen von ihnen dürfte der volle Impfschutz schon einige Monate alt sein. Gleichzeitig hat sich im vergangenen Jahr gezeigt, dass mit der kalten Jahreszeit auch die Zahlen der Neuinfektion mit dem neuartigen Coronavirus steigen. Es stellt sich also die Frage, ob der Impfschutz bei vollständig Geimpften mittlerweile noch ausreicht oder eine Auffrischung durch eine weitere Impfung sinnvoll ist.

EMA empfiehlt dritte Impfdosis

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat sich zumindest gestern (4.10.2021) dafür ausgesprochen. Sie empfiehlt die sogenannte Booster-Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech für vollständig Geimpfte ab 18 Jahren mit einem Abstand von sechs Monaten zur zweiten Dosis. Daten zur Auffrischimpfung mit dem Vakzin von Moderna werte die Behörde aktuell noch aus.

Zudem empfiehlt die EMA eine dritte Impfung auch für Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Das sei mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und auch Moderna nach vier Wochen zur letzten Dosis möglich, so die Behörde.

Booster für Ältere und Immunschwache

Auch die Gesundheitsministerkonferenz hat sich Anfang August für die Booster-Impfung ausgesprochen. Danach können seit Anfang September erst mal Menschen ab 60 Jahren und auch Menschen mit einer Immunschwäche eine dritte Impfdosis bekommen.

Die Stiko hält sich hinsichtlich einer Auffrischimpfung noch zurück. Bislang empfiehlt sie eine Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff nur für immungeschwächte Menschen. Für ältere Menschen und alle anderen Gruppen sieht sie von einer dritten Impfdosis bisher ab. Hier sollen in den nächsten Wochen weitere Ergebnisse folgen, so das Robert Koch-Institut.

Was die Booster-Impfung bringt

Grundsätzlich kann eine Auffrischung bei einer Impfung sinnvoll sein, sagt Wissenschaftsjournalist Joachim Budde, weil sie den Impfschutz zusätzlich erhöht. Zudem gebe es mittlerweile Hinweise, dass die Zahl der Antikörper im Blut mit der Zeit langsam wieder abnehme.

Ein Booster stimuliere das Immunsystem noch mal, wodurch wieder mehr neutralisierende Antikörper im Blut sind, die das Virus blockieren. Und auch die Zahl der Gedächtniszellen steigt durch die Auffrischung an, die die Immunreaktion auf das Virus verstärken, sollte es in den Körper kommen.

Booster nach Johnson & Johnson in den USA

Der US-amerikanische Hersteller Johnson & Johnson hat für seinen Impfstoff in einer neuen Studie auch untersucht, wie sich ein Booster auf den Impfschutz auswirkt. Danach steige der Schutz sogar auf 94 Prozent an, wenn Geimpfte vorher auch das Vakzin von Johnson & Johnson erhalten haben. Die Auffrischung war für sie also eine zweite Impfdosis.

Antikörper-Level noch nicht aussagekräftig

In Deutschland werben verschieden Anbieter sogar damit, die Werte der Antikörper im Blut zu messen, um Hinweise auf den Impfschutz zu bekommen. Eine Messung der Antikörper ist auch möglich, sagt der Wissenschaftsjournalist, sie sage aber bislang noch wenig über den tatsächlichen Impfschutz aus.

Auch wenn sich zeige, dass die Zahl der Antikörper langsam abnehme, sei noch unklar, bei welchem Wert auch der Schutz vor einer schweren Covid-19-Erkrankung zu niedrig sei. Zumal es für die Messmethoden von Antikörpern keine Standards gebe. Das macht das Vergleichen von Werten aus verschiedenen Laboren unmöglich.

"Bei welchen Werten der Schutz zu niedrig ist, wissen Expert*innen noch gar nicht."
Joachim Budde, Wissenschaftsjournalist

In Deutschland ist die Empfehlung der Gesundheitsministerkonferenz für eine Auffrischimpfung für ältere Menschen und Menschen mit Immunschwäche daher bislang vor allem erst eine Vorsichtsmaßnahme, erklärt der Wissenschaftsjournalist. Bei ihnen zeigte sich eben, dass die Schutzwikrung der Impfung schneller nachlasse. Einige Forschungsteams versuchen jetzt herauszufinden, wie hoch der Spiegel der Antikörper im Blut für einen ausreichend Schutz sein muss.

"Die Booster-Empfehlung für Alte und Menschen mit Immunschwäche ist erst mal eine Vorsichtsmaßnahme."
Joachim Budde, Wissenschaftsjournalist