Stellt euch vor, wir hätten eine oder mehrere Kopien von uns: Avatare, die uns so lästige Dinge, wie zum Beispiel arbeiten, abnehmen könnten. MIT-Forscher arbeiten gerade daran, diesen Traum zu verwirklichen. Sie entwickeln Bots, die unsere Identität annehmen können.

Die Forscher der Firma Flybits beschäftigen sich dabei mit etwas, dass sie "Augmented Eternity" nennen. Und sie haben sich Folgendes überlegt: Was wäre, wenn sich alle E-Mails, die wir jemals geschrieben haben und alle anderen veröffentlichten Statements, die wir je gemacht haben in eine digitale Identität von uns überführen ließen. Und nicht nur von uns, sondern auch von anderen Menschen. Dieses Material wollen sie in einen Bot, eine Art Siri, übernehmen, der unterschiedliche Identitäten annehmen kann. 

"Technisch ist das alles möglich, was Flybits plant. Der Knackpunkt ist natürlich die Rechenleistung."
Martina Schulte, Netzreporterin

Der Bot könnte zum Beispiel ein Diane-Hielscher-Bot sein, der bei Deutschlandfunk Nova jemanden interviewt, während Diane im Schwimmbad liegt. Oder den unsere Kinder und Kindeskinder noch um Rat fragen können, wenn wir alle längst tot sind. Der Bot könnte aber auch die Identität von Elon Musk oder Donald Trump annehmen und dann könnten wir uns mit ihnen unterhalten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sie denken

Der MIT-Forscher Hossein Rahnama ist CEO von Flybits. Und er schreibt gerade bei Venturebeat, dass sein Start-up zunächst Unternehmen als Zielgruppe im Blick habe. Rahnama ist sich sicher: Ein Bot mit einer Künstlichen Intelligenz, die unterschiedliche Identitäten annehmen kann, denen die User dann Fragen stellen können - das ist für Unternehmen ein echter Gewinn. Die Marktforschungsabteilung könnte zum Beispiel in Sekunden herausbekommen, was Verbraucher über ein neues Produkt denken. Und der Chef einer IT-Firma, könnte sich sehr schnell einen Eindruck davon verschaffen, wie Donald Trump über Netzneutralität denkt und ob seine Ansichten dazu möglicherweise das Geschäftsmodell des Unternehmens gefährden.

Wenn eine Person ausgewählt wird – oder, wie Flybit es nennt, eine Persönlichkeitslinse - dann funktioniert das in Zukunft innerhalb von bekannten Bots wie Siri oder Slackbot. Während der Abfrage machen sich semantisch getriebene Algorithmen auf die Suche nach Gigabytes von Daten, Strukturen oder Statements und auch transkribierten Video- oder Audio-Statements. Beim Diane-Hielscher-Bot wäre das zum Beispiel alles, was sie jemals im Radio gesagt hat und was sich im Netz finden lässt. Und dazu würde der Bot noch den Confidence-Level angeben, also den Grad der Zuversicht, mit dem er diese Aussage trifft

Telekom-Konzerne schon überzeugt

Bleibt die Frage, wie realistisch das Ergebnis ist. Einige Geldgeber haben die Macher schon überzeugt. Flybit hat ordentlich Risikokapital eingesammelt – unter anderem von Bosch VC und Vodafone. Auch, weil so eine Technologie natürlich perfekt zu Telekom-Unternehmen passt. Technisch ist das alles machbar. Der Knackpunkt wird die Rechenleistung sein, ob es die Macher hinbekommen, so viele Daten so präzise zu verarbeiten.