Seit vielen Monaten schon gehen die Menschen in Brasilien immer wieder auf die Straße. Sie demonstrieren gegen ihre Staatschefin Dilma Rousseff - und gegen die weit verbreitete Korruption im Land. "Die Proteste werden zunehmend radikaler", erzählt der 23-jährige Daniel Guerra.

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hat den ehemaligen Präsidenten Luis Sinasio Lula da Silva zum Minister ernannt. Ein Schlag ins Gesicht vieler Brasilianer, die mittlerweile schon seit mehreren Jahren unter anderem gegen ihre Regierung und die Korruption im Land demonstrieren. Denn Luis Sinasio Lula da Silva droht eine Klage wegen Vetternwirtschaft - und durch die Ernennung zum Minister wird es nun schwieriger, ihm den Prozess zu machen.

Wenn Proteste in Hass umschlagen

Also gehen die Menschen - darunter auch viele junge Brasilianer - wieder auf die Straße. Auch Daniel Guerra nimmt an den Protesten teil. Doch mittlerweile hat der 23-jährige Filmproduzent aus Rio de Janeiro dabei oft ein mulmiges Gefühl. Die Demonstranten radikalisieren sich zunehmend, erzählt er uns. Daniel hat Angst, dass die Proteste dadurch mehr und mehr in Gewalt umschlagen.

"Ein Typ, der einfach nur ein rotes Fahrrad hatte, wurde von Demonstranten bedrängt, weil ihm unterstellt wurde, zur Regierung zu halten - weil die Farbe Rot für den Kommunismus steht."
Daniel Guerra über die Proteste in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro

Daniel Guerra beobachtet die aktuelle Entwicklung mit Sorge. "Wenn man nicht gegen die Regierung ist, dann ist man aus Sicht vieler Demonstranten auf der falschen Seite", sagt der 23-Jährige. Doch Daniel unterstützt weder die Opposition noch die Regierung - seiner Meinung nach gibt es in allen politischen Lagern viele korrupte Politiker. Daher denke er sogar darüber nach, sein Land zu verlassen, sollte sich die politische Kultur in Brasilien nicht bald grundlegend verändern und erneuern.