Es geht um fast vier Millionen Hektar Regenwald im Amazonas-Gebiet - eine Fläche größer als Baden-Württemberg. Brasiliens Regierung hat die Region für die Rohstoffförderung freigegeben. Doch dort liegen nicht nur Naturschutzgebiete, sondern leben auch indigene Völker.

Das Gebiet ist unter den Namen "Renca" bekannt und liegt nördlich des Amazonas. Brasiliens Präsident Michel Temer hat diese Region nun per Dekret für den Bergbau freigegeben. Das geschah trotz Protesten von Oppositionspolitikern und Umweltschützern. Auch internationale Umweltorganisationen kritisieren das Dekret deutlich, dazu gehört auch der WWF.

"Das ist der größte Angriff auf den brasilianischen Regenwald seit vielen Jahren."
Roland Gramling, Pressesprecher des WWF

Anscheinend stehen Privatinteressen fortan über den Interessen des Regenwaldschutzes und vor allem über den Interessen der indigenen Bevölkerung, sagt Roland Gramling, Pressesprecher der Umweltstiftung WWF. Die Organisation befürchtet, dass die Entscheidung der Regierung einen Dammbruch bedeuten könnte.

"Wir fürchten, dass ist nur der Anfang. Dass vielleicht immer weitere Gebiete durch solche Sonderdekrete geopfert werden."
Roland Gramling

Laut "Gesellschaft für bedrohte Völker" leben in Brasilien rund 900.000 indigene Einwohner - nicht ausschließlich im Amazonas-Gebiet. Sie bilden rund 305 verschiedene Völkern - mit über 270 verschiedenen Sprachen. Teilweise leben sie in völliger Abgeschiedenheit.

Die Regierung will die Region entwickeln, sagt sie

Brasiliens Regierung will mit dem Dekret die Region nachhaltig entwickeln. "Was jetzt passiert ist aber das Gegenteil von Nachhaltigkeit", sagt Gramling. Denn statt Regenwaldschutz, sollen Kupfer- und Goldbergbau betrieben werden. Das Amazonas-Gebiet ist jedoch eines der größten Waldgebiete der Erde und eine wichtige grüne Lunge unseres Planeten.

In dem Gebiet Renca wird zurzeit schon illegal Bergbau betrieben. Die Regierung will mit dem Dekret gegen die illegalen Geschäfte vorgehen, sagt sie. Deshalb brauche es einen legalen Rahmen. Doch auch der legale Bergbau bedeutet den Verlust des Regenwalds.

Brasiliens Regierung hatte in den vergangenen Jahrzehnte eher auf den Schutz des Regenwalds gesetzt. Doch unter der neuen Regierung scheint sich das zu ändern. "Wir beobachten eine richtige Trendwende", sagt Gramling.