Seit sich die Briten vor einer Woche gegen die EU entschieden haben, sinkt offenbar auch die Hemmschwelle auf der Insel: In der vergangenen Woche verzeichnete die britische Polizei 57 Prozent mehr Fälle von Hasskriminalität und Rassismus. Was das im Alltag bedeutet, weiß Gabi Biesinger.

Im Netz kursiert zum Beispiel das Video eines ausländischen Taxifahrers, der in Ostlondon gefilmt hat, wie er beschimpft wird. In der Grafschaft Cambridge tauchten Karten auf, mit der Aufschrift: "Raus aus der EU, kein polnisches Ungeziefer mehr".

Und das polnische Kulturzentrum im Londoner Stadtteil Hammersmith wurde zum ersten Mal seit 50 Jahren mit fremdenfeindlichen Parolen beschmiert.

Gabi Biesinger ist unsere Korrespondentin in London. Sie selbst hat seit dem Brexit noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Eine Freundin von ihr, die indische Wurzeln hat, aber in England geboren ist, hat ihr aber erzählt, dass sie sich seit dem Referendum anders fühlt - fremd im eigenen Land. Der Hass vieler Brexit-Befürworter auf das, was fremd ist, äußert sich in kleinen Geschichten, erzählt Gabi Biesinger. "Es sind schon Brandsätze geflogen, einen Halal-Schlachter in den Midlands hat das erwischt. Eine Pakistanerin wurde am Zebrastreifen geschnitten und der Autofahrer schrie sie aus dem offenen Fenster heraus an."

Einfach mal dagegen

Die Ablehnung richtet sich gegen alles, was ausländisch ist, sagt Gabi Biesinger. Für manche Briten sei die Brexit-Entscheidung sogar ein Grund, T-Shirts zu tragen, auf denen steht: "Yes, we won. Now send them back". Vor allem in Mittelengland gibt es viele Menschen, die aus dem Ausland als Saisonarbeiter ins Land kommen - Erntehelfer zum Beispiel. In dieser Region haben besonders viele Briten für den Brexit gestimmt.

Seit dem Referendum sind auch EU-Ausländer und Menschen, die nicht-britisch aussehen, vermehrt dem Hass ausgesetzt. Das habe es vorher nicht in diesem Ausmaß gegeben, sagt Gabi Biesinger. Sie hofft aber, dass diese Fremdenfeindlichkeit wieder abnimmt. Laut der britischen Polizei sei es schon häufiger so gewesen, dass nach großen nationalen Ereignissen plötzlich ausländerfeindliche Straftaten zunehmen.

Solidarität und #SafteyPin

Briten, die mit dem Hass nicht einverstanden sind, zeigen mithilfe vieler kleiner Gesten ihre Solidarität, sagt Gabi Biesinger. Ein Nachbar des polnischen Kulturzentrums, das mit fremdenfeindlichen Parolen beschmiert wurde, brachte Blumen dorthin.

Bei den Anti-Brexit-Demonstrationen liegen sich Menschen aus allen möglichen Ländern in den Armen, obwohl sie sich gar nicht kennen. Wer noch einen Schritt weitergehen will, trägt sichtbar eine Sicherheitsnadel ans Hemd gepinnt. Die Idee: Der Träger macht mit der Sicherheitsnadel deutlich, dass er Menschen hilft, die rassistisch angefeindet werden. Unter #SafetyPin teilen Twitteruser ihre Meinung zu der Idee.