73 britische Abgeordnete des EU-Parlaments packen gerade ihre Akten in Umzugskartons. Sie ziehen aus. Bye bye, EU! Die Stimmung unter den Parlamentariern ist sehr emotional, berichtet DLF-Korrespondentin Carolin Born aus Brüssel.

Mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union geben auch die britischen Abgeordneten ihren Sitz im EU-Parlament ab. 73 britische Politikerinnen und Politiker räumen gerade ihre Büros.

Für jedes ihrer Abgeordnetenbüros hat die EU fünfzehn Umzugskisten vorgesehen. Für den britischen Abgeordneten und Labour-Fraktionschef Richard Corbett reichen die lange nicht aus, sagt er. Der Brite hat seit 1996 im EU-Parlament gearbeitet. Seine besten Jahre seien in die Arbeit als EU-Parlamentarier geflossen. Jetzt versucht er Akten und Dokumente, die er über zwei Jahrzehnte angesammelt hat, in fünfzehn Kartons unterzubringen – beziehungsweise auszusortieren. Leicht fällt ihm das nicht, sagt er.

73 Briten gehen, 27 neue Abgeordnete kommen

Was bleibt, sind die Büromöbel. Die waren auch schon vor den britischen Abgeordneten da. Lange werden sie nicht leer bleiben, denn für die 73 Mandate der Briten rücken neue Abgeordnete nach. Andere EU-Mitgliedsstaaten besetzen künftig 27 der freien Plätze. Damit rücken Länder im EU-Parlament nach, die im Verhältnis zu ihrer eigenen Bevölkerung mit zu wenige Sitzen vertreten sind. Frankreich und Spanien erhalten zum Beispiel jeweils fünf neue Mandaten. Die restlichen Sitze bleiben frei – für den Fall, dass ein neues Land Teil der EU wird.

Wehmut und Trauer überwiegen

Die 27 neuen Abgeordneten ziehen dann in ein EU-Parlament ohne britische Vertreter ein. Den Arbeitsplatz nun endlich zu verlassen, fühle sich an wie eine Beerdigung, sagt Laura Ranahan, die Beraterin des Abgeordneten Richard Corbett.

"Es fühlt sich an wie eine Beerdigung. Am Freitag wird das wahr, wovor wir alle Angst hatten."
Laura Ranahan, ehemalige Beraterin des britischen EU-Abgeordneten Richard Corbett

Nach dem 31. Januar 2020 haben sie und ihre Kollegen keine Aufgabe mehr im EU-Parlament, sie sind arbeitslos. Der Jobverlust macht Laura Ranahan aber weniger traurig, als der Brexit selbst, erklärt DLF-Korrespondentin Carolin Born aus Brüssel.

Solidarität mit den Briten

Allgemein ist die Stimmung im EU-Parlament gerade sehr emotional, fügt sie hinzu. In den letzten Tagen treffe sie immer wieder auf weinende Abgeordnete. So auch nach der Zustimmung zum Austrittsabkommen: Da haben die EU-Parlamentarier gemeinsam das traditionelle Abschiedslied "Auld Lang Syne" gesungen, berichtet die DLF-Korrespondentin.

"In den vergangenen Tagen habe ich immer wieder Menschen im Parlament weinen sehen oder sie haben sich gegenseitig umarmt."
Carolin Born, DLF-Korrespondentin in Brüssel

Ähnliche Aktionen gebe es gerade überall. Die Abgeordneten der Grünen Fraktion haben zum Beispiel im Parlament eine Kerze angezündet beziehungsweise ihr Handylicht eingeschaltet, erzählt sie. Das sei ein Symbol der Solidarität. Sie wollten den Briten zeigen: Wir lassen euch nicht im Dunkeln stehen, so Carolin Born.