Die Stimmung unter den Briten ist gespalten: Während die Brexit-Befürworter freudestrahlend ihre Union-Jack-Fähnchen schwingen, verfallen die Brexit-Gegener in einen depressionsähnlichen Zustand, berichten unsere Korrespondenten aus London und Edinburgh.

Der 31. Januar 2020 ist ein Tag des Abschieds – für die Briten und für die EU. Die Stimmung im Vereinigten Königreich ist gespalten: Die Befürworter des Brexits feiern den Austritt Großbritanniens lautstark mit patriotischen Liedern und Union-Jack-Fähnchen. Die Brexit-Gegner befinden sich hingegen in einer tiefen Depression, berichtet DLF-Korrespondent Friedbert Meurer aus London.

"Die Remainer sind in einem Zustand tiefer Depression."
Friedbert Meurer, Dlf-Korrespondent in London

Eins haben aber alle Briten gemeinsam: Für sie ist der "Point Of No Return" in der Nacht zum 01. Februar erreicht. "Vorbei. Aus. Der Traum ist geplatzt. Das wirkt psychologisch wirklich schwer – gerade für die Remainer", sagt Friedbert Meurer.

In Deutschland werde diese psychische Belastung nicht wirklich deutlich. Friedbert Meurer bekomme oft den Eindruck, dass Deutschland die Schwere des Brexits durch die kommende Übergangsphase aktuell nicht fassen könne. Für die Briten aber sei endgültig klar, dass es ab sofort kein Zurück mehr gebe. Die Hoffnung über ein zweites Referendum vieler EU-Befürworter sei erloschen.

Zwischen Jubel und Depression

Ähnlich sieht es in Schottland aus: "Der Tag ist grau und die Stimmung auch", sagt Dlf-Korrespondent Burkhard Birke aus Edinburgh. Zwar würden viele der Schotten den Brexit mittlerweile akzeptieren, trotzdem seien die Stimmen der EU-Befürworter unter ihnen weiterhin am stärksten – wie auch beim Brexit-Referendum 2016.

62 Prozent der Schotten haben damals für einen Verbleib in der EU gestimmt. Daher wird die Europaflagge auch nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs vor dem schottischen Parlament wehen. Dafür hat sich die Nationalpartei des Landes stark gemacht.

Nach Brexit soll die Unabhängigkeit kommen

Zudem ruft die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon die Bevölkerung schon jetzt dazu auf, Schottlands Unabhängigkeit einzufordern, erklärt Burkhard Birke.

Geht es nach ihr, soll ein Unabhängigkeitsreferendum im besten Falle noch während der Übergangszeit stattfinden. Dadurch könnten die Schotten ohne zeitliche Unterbrechung in der EU bleiben, erläutert der Dlf-Korrespondent. 51 Prozent der Schotten würden aktuell für ein unabhängiges Schottland stimmen.

Dlf-Korrespondent Burkhard Birke berichtet aus Edinburgh
"Die Schotten wollen den Brexit akzeptieren. Aber es ist auch entscheidend, im Kopf zu behalten, dass die Existenz der schottischen Nationalpartei darauf beruht, Schottland in die Unabhängigkeit zu führen."

Diese Hoffnung der Schotten hält Burkhard Birke allerdings für eine Illusion. Denn: Die Unabhängigkeit Schottlands sei verfassungsrechtlich sehr umstritten. Zudem müsse die Regierung unter Boris Johnson einem zweiten Unabhängigkeitsreferendum überhaupt erst zustimmen. Und dazu wird es nicht kommen, glaubt er.

Pläne für die Zukunft

Vorher geht es in der kommenden Woche weiter um die zukünftige Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU. Dann stellt auch Boris Johnson vor, welche Punkte er für die Briten bei den Verhandlungen einbringen möchte.