Großbritannien stimmt ab: Bleibt das Land in der EU oder geht es? Die letzten TV-Debatten laufen, die letzten Argumente werden ausgetauscht. John Heaven hat die Diskussion verfolgt. Von Deutschland aus.

Die Briten hatten in den letzten Tagen eine ganze Menge auszuhalten: Die Politiker kämpfen um jede einzelne Stimme, die letzten Unentschlossenen sollten für die eine oder andere Seite überzeugt werden. Entsprechend wurden sie Brexit-Entscheider mit TV-Debatten und Diskussionen förmlich zugeballert. Sogar im berühmten Wembley-Stadion gab es eine große öffentliche Debatte. Neue Argumente gab es dort allerdings nicht.

"Ich fand es traurig, dieser Debatte zuzuschauen. Die Stimmung und der Ton war auf beiden Seiten nicht wirklich zivilisiert."

John Heaven, Übersetzer und Blogger, er kommt aus Birmingham, lebt seit sechs Jahren in Hamburg und hat sowie die britische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Er ist Brexit-Gegner und davon überzeugt, dass der Ausstieg aus der EU ein großer Fehler wäre. Das liege vor allem an der Unsicherheit. Der Prozess des EU-Austritts würde über zwei Jahre gehen - wie sich das Land und die eigene, persönliche Situation dadurch entwickelt, weiß niemand wirklich.

Kopf-an-Kopf-Rennen um den EU-Verbleib

Die Umfragewerte tendieren knapp zu einem Verbleib in der EU, aber es bleibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen. "Alle meine Freunde sind gegen den Brexit", stellt John Heaven fest. "Sie achten vor allem auf die wirtschaftliche Perspektive." Das heißt: Sie fürchten die negativen Folgen des Brexits. Auch weil sie fürchten, ihre Reisefreiheit in Europa zu verlieren.

"Großbritannien ist ein relativ konservatives Land. In Referenden tendieren die Leute dann meisten für den Status Quo."

Für John hätte der Brexit möglicherweise Konsequenzen, erklärt er in einem kurzen Interview auf Bento: "Vielleicht müssen meine Eltern künftig ein Visum beantragen, um mich hier zu besuchen", spekuliert er. Und es könnte für ihn nicht mehr so einfach sein, in sein Heimatland zurückzukehren.