Anna Schatz wünscht sich ein Kind. Aber es klappt einfach nicht. Nach hat drei Fehlgeburten schreibt sie ein Buch darüber, wie unentspannt der Umgang mit Frauen im gebärfähigen Alter ist und was ihr geholfen hat, gelassener mit dem Thema umzugehen.

Anna ist 16 und geht zum Frauenarzt, um sich die Pille verschreiben zu lassen. Der Arzt teilt ihr bei dieser Gelegenheit allerdings auch mit, dass die Pille für sie eigentlich überflüssig sei, denn sie könne eh nicht schwanger werden. Gebärmutterabsenkung ist die Begründung. "Mit 16 hat mich das nicht so wahnsinnig tangiert", sagt Anna, "das war nicht wirklich greifbar für mich." Ihrer Mutter war mit Mitte zwanzig ähnliches gesagt worden. Und dann hatte sie schließlich doch noch Anna bekommen.

Der Schock mit 26

Mit 26 Jahren hat Anna dann irgendwann Unterleibsschmerzen, geht zum Arzt und erfährt, dass sie gerade eine frühe Fehlgeburt hatte. Für sie ist das ein ziemlich einschneidendes Erlebnis, denn sie hat überhaupt nicht damit gerechnet. Und außerdem weiß sie jetzt: Das, was der Arzt ihr mit 16 gesagt hatte, stimmt so nicht: "Ich kann offensichtlich schwanger werden. Die Aussage von damals ist offensichtlich verkehrt."

"Mit 26 war ich noch nicht – für mich gefühlt – im Familienplanungsalter."
Anna Schatz, Buchautorin

Anna hatte eigentlich überhaupt noch nicht über Familienplanung nachgedacht. Aber die Fehlgeburt führt dazu, dass sie sich jetzt doch mit dem Thema beschäftigt und denkt: "Okay, es geht und dann solle es auch so schnell wie möglich funktionieren. Und es hat dann natürlich nicht funktioniert."

Als Anna 28 ist, heiratet sie und denkt sich, dass es jetzt Zeit ist für Familie, Haus, Garten, Hund und Kinder. Aber es klappt einfach nicht. Anna wird nicht einfach wieder schwanger. Sie geht schließlich zum Arzt, lässt ihren Hormonstatus bestimmen und tauscht sich in Internetforen mit anderen Frauen aus, die einen Kinderwunsch haben.

Den Druck macht Anna sich vor allem selbst

Sie stellt ihre Ernährung um, sie informiert sich, wann und in welcher Stellung beim Sex, eine Befruchtung besonders gut funktioniert und sie nimmt Folsäure. Das alles hilft aber nichts.

In Annas Kopf ist das Thema in dieser Zeit dauerpräsent, aber sie spricht nicht wirklich darüber. Weder mit ihrem Partner noch mit Freundinnen oder ihrer Mutter. "Im Nachhinein wäre es gut gewesen, ich hätte mal mit meiner Mutter darüber gesprochen. Oder mit irgendwem, von dem ich wusste, dass die das Thema auch durchhat", sagt Anna heute.

"Rein gesellschaftlich habe ich das Gefühl, man nähert sich einem Verfallsdatum an."
Anna Schatz, Buchautorin

Als Anna Mitte dreißig ist, merkt sie, dass sie immer häufiger von anderen gefragt wird. Na, wie ist das mit Kindern? Der Rechtfertigungsdruck steigt. Seit Anna Schatz das Buch "Wenn ich noch eine glückliche Mami sehe, muss ich kotzen. Mein Leben mit einem unerfüllten Kinderwunsch" (Rowohlt, 2019) geschrieben hat, wird sie nicht mehr auf das Thema Kinderkriegen angesprochen. Vor allem kennt jetzt auch ihr engeres Umfeld ihre sehr persönliche Geschichte.

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Von ihrem damaligen Partner hatte sich Anna übrigens nach zehn Monaten wieder getrennt. Ihr heutiger Partner – mit dem sie inzwischen zwei Fehlgeburten hatte – gehe sehr entspannt mit dem Thema Kinderkriegen um. Für ihn sei es schön, wenn es irgendwann ein Kind gebe, aber es sei auch okay, wenn es nicht klappt. Auch ihr Freund müsse sich aber gelegentlich Fragen gefallen lassen wie: "Warum hast Du ihr denn noch kein Kind gemacht?" Aber er gehe gelassen damit um.

Wenn ihr wissen wollt, warum Anna die Frage nach der Kinderlosigkeit übergriffig findet, auf welche Ratschläge sie gerne verzichtet und warum sie irgendwann alle Apps zu dem Thema von ihrem Handy gelöscht hat, dann hört euch das komplette Audio an.