Attila Hildmann ist bekannt für hetzerische und aggressive Aussagen - und für seine Kochbücher. Einige Kundinnen und Kunden von Buchhandlungen fordern nun: Die Bücher sollten aus dem Sortiment. Die Frage, inwiefern Verlage und Händler Verantwortung für Bücher problematischer Autoren tragen, ist nicht neu - und umstritten.

Die Thalia-Gruppe gilt mit 350 Filialen in Deutschland und Österreich als Marktführer im Buchhandel. Einige Kundinnen und Kunden forderten die Gruppe auf Twitter unter dem Hashtag #Thalia dazu auf, die Bücher von Attila Hildmann aus dem Sortiment streichen. Die Antwort des Buchhändlers auf eine Kundennachfrage, die ebenfalls als Screenshot auf Twitter zu finden ist: Sie sehen keinen Grund dafür, die Bücher nicht mehr zu verkaufen. Denn: Hier handele es sich nicht um rechtes Gedankengut, sondern um Kochbücher. Eine direkte Anfrage durch die Redaktion blieb durch die Verlagsgruppe unbeantwortet.

"Es gibt keinen Druck auf einen Händler, die Regale nachzufüllen und Thalia könnte sich wie jeder andere Händler dagegen entscheiden."
Catrin Stövesand, Deutschlandfunk

Grundsätzlich können Buchhändler selbst entscheiden, welche Bücher sie verkaufen wollen oder nicht, sagt Catrin Stövesand vom Deutschlandfunk. Es gelten zwar grundsätzlich Verträge, doch diese seien kündbar. Die Kochbücher von Attila Hildmann sind im Verlag Becker Joest Volk erschienen – der Verlag hat die Zusammenarbeit schon 2016 beendet. Alles, was jetzt noch auf dem Markt erhältlich ist, sind Restbestände.

Trennung von Produkt und Autor

Attila Hildmann galt lange als Role Model für viele Menschen, die sich vegan ernähren wollen, sagt Catrin Stövesand. In seinen Kochbüchern spricht Attila Hildmann schließlich von Tofu und Gemüse – nicht von Volksverhetzung. Catrin Stövesand findet: Seine Art zu kochen hat nichts mit seiner Art, über bestimmte Dinge zu denken, zu tun.

"Wir sind eine plurale Gesellschaft. Manche Dinge müssen wird leider aushalten. In den Büchern geht es ja nicht um Volksverhetzung und Verschwörung, sondern um Tofu und Gemüse."
Catrin Stövesand, Deutschlandfunk

Eine Aktion wie diese bringt einer Person wie Attila Hildmann Aufmerksamkeit, die er nicht verdient, findet Catrin Stövesand. Das sei das eine Problem. Das andere sei die Frage nach dem richtigen Maß und der angebrachten Mittel.

Denn: Sollten nun alle Buchhandlungen anfangen, umstrittene Titel aus ihrem Sortiment zu verbannen, stelle sich die Frage, nach welchen Maßstäben das funktionieren sollte. Ein großer Buchhändler wie Thalia ist nicht darauf angewiesen, Kochbücher von Attila Hildmann zu verkaufen. Doch dahinter stehe die Frage, was ein freier Markt und eine freie Gesellschaft möchten.

Buchhandlungen können sich bewusst für Verkauf entscheiden

Einige Buchhandlungen entscheiden sich aus diesem Grund bewusst dafür, auch solche Bücher in das Sortiment aufzunehmen. Die Frage habe sich auch immer wieder an Büchern entzündet, die im rechten Verlag Antaios veröffentlicht wurden, sagt Catrin Stövesand. Auf seiner Seite bewirbt Verleger Wolfgang Kubitschek das dort erschienene Buch "Der faschistische Stil", beispielsweise als "Schlüsseltext, der den Faschismus nicht als historisches Ereignis fasst, sondern als zeitlose Haltung."

Gedankengut kennen und dagegen halten

Einige Buchhandlungen, auch solche die sich gezielt als links bezeichnen, verkaufen dennoch diese Bücher, sagt Catrin Stövesand. Und das bewusst: Sie wollen das Gedankengut kennen und dagegen halten können. Für viele gilt das Argument, dass es Individuen frei zugestanden werden sollte, wie sie sich mit bestimmten Themen auseinandersetzen möchten. Das sei Teil einer freien Gesellschaft.

Attila Hildmann kein Einzelfall

Attila Hildmann ist nicht der erste Autor, um den diese Diskussion entflammt. Besonders prominent war etwa der Fall Akio Pirincci, sagt Catrin Stövesand. Pirincci schrieb sehr erfolgreiche Katzen-Krimis - und marschierte bei Pegida mit. Nachdem er wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, kündigte der Verlag Heine Goldmann die Zusammenarbeit mit dem Autor. Pirincci veröffentlicht heute seine politischen Schriften im Antaios Verlag.

Aber: Viele Buchhandlungen und Verleger haben keine scharfen Trennlinien, was sie veröffentlichen und verkaufen wollen, sagt Catrin Stövesand. Heine Goldmann etwa trennte sich zwar von Pirincci und gehört zu der Verlagsgruppe Randomhouse. Es ist aber auch derselbe Verlag, der immer noch Bücher von Thilo Sarrazin veröffentlicht.