Im Idealfall ist das Lesen einfach nur ein großer Spaß. Dafür braucht es ein bisschen Planung, sagt Linus Giese, und vielleicht ein paar Tricks, verrät die Psychologin Birte Thissen.

Er liest ein Buch nach dem anderen, wöchentlich durchschnittlich etwa anderthalb Stück. Rein beruflich müssen in seinem Kopf aber manchmal mehrere Geschichten gleichzeitig stecken. Das sagt der Autor und Buchhändler Linus Giese. Er arbeitet in dem queer-feministischen Buchladen She said in Berlin-Neukölln.

"Ich lese wirklich immer nur ein Buch. Ich fange ein Buch an und lese es zu Ende. Dann lese ich das nächste."
Linus Giese, Autor und Buchhändler

Obwohl das Lesen zu seinem Beruf gehört, findet Linus im besten Fall beim Lesen in einen Flow. Das gelingt ihm gut in den Morgenstunden vor der Arbeit. Seine Auswahl richtet sich auch nach dem Veröffentlichungsrhythmus der Verlage, er plant so zumindest ein bisschen das ganz Jahr vor.

Blurps als Orientierungshilfe

Linus sagt: "Also wenn ein Autor, den ich ganz toll finde, draufschreibt: großartiges Buch, dann ist das für mich schon der Faktor, dass ich das Buch auch lesen möchte." Linus lässt sich also auch von Blurps leiten. Das sind diese kurzen werbenden Sätze auf Buchrücken und in Verlagsprogrammen. Geschrieben werden sie häufig von Kritikerinnen und Kritikern und von Autorinnen und Autoren.

"Ich lese vor allen Dingen Bücher von Autorinnen und von queeren Autor_innen und treffe, glaube ich, so eine ganz gute Vorauswahl."
Linus Giese, Autor und Buchhändler

In der Tat ist diese Vorauswahl, dieser grundsätzliche Abgleich mit den eigenen Interessen, der richtige Weg, um in einen Leseflow zu kommen, sagt die Psychologin Birte Thissen.

"Der entscheidende Faktor, um in den Flow zu kommen, ist tatsächlich diese gefühlte optimale Passung."
Birte Thissen, Psychologin

Lesende und Buch müssen einfach gut zusammenpassen. Das ist für die Psychologin Birte Thissen das oberste Gebot, wenn es um den Flow beim Lesen geht. Bei ihr selbst entstehe sogar manchmal bei psychologischer Fachliteratur ein Flow. Verallgemeinert findet sie, dass es fiktive Geschichten leichter haben, Lesende so zu fesseln, dass sie nicht aufhören können.

"Romane sind so geschrieben, dass sie die Leser tatsächlich in den Flow bringen sollen, weil das ihr ganzer Sinn und Zweck ist, dass man irgendwie Lesefreude hat."
Birte Thissen, Psychologin

Grundsätzlich definiert sie diesen Zustand als eine Abweichung vom Alltag. Das sei ein Zustand, wenn wir völlig in einer Tätigkeit aufgehen und das Zeitgefühl verlieren. Tatsächlich werde das Flow-Phänomen besonders in der Sportpsychologie erforscht.

Funklöcher als Lektürechance

Zweitrangig aber keineswegs unbedeutend für den Leseflow sind Faktoren wie die Leseumgebung. Das bezeichnet die Psychologie als Moderatorvariable, erklärt Birte Thissen. Ein fester Ort zum Lesen könne das Eintauchen in den Leseflow erleichtern.

Für Linus sind das Orte, an denen er nicht abgelenkt ist. Für das Schreiben und für das Lesen reist er gelegentlich in Gegenden ohne vernünftige Netzabdeckung. Wenn er außerhalb dieser Funklöcher liest, schaltet er sein Telefon gelegentlich ab. Manchmal genügt es ihm auch, das Gerät weit genug wegzulegen.

"Ich brauche vor allen Dingen Ruhe, muss mich auch selbst ein bisschen überlisten und das Handy ausmachen oder weglegen, weil ich schon merke, dass es mir schwerfällt, mich zu konzentrieren."
Linus Giese, Autor und Buchhändler

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