Manche finden es meditativ und einfach, andere nervig und kompliziert: Nicht alle von uns haben Spaß am Bügeln. Unser Reporter Alexander Werth hat herausgefunden, worauf man beim Bügeln achten sollte und welche Alternativen es gibt.

David – ein Freund unseres Reporters – kann gut bügeln und genießt das morgendliche Ritual vor der Arbeit. Wahrscheinlich fällt es ihm leicht, sein Hemd zu bügeln, weil er es an jedem Wochentag macht und dadurch viel Übung hat. David braucht nur zwei Minuten, damit sein Hemd knitterfrei und vorzeigbar aussieht. Nach einer festgelegten Abfolge nimmt er sich die einzelnen Teile vor, aus denen sein Hemd zusammengesetzt ist. Genauso wie es ihm seine Mutter beigebracht hat.

"Ganz traditionell, so wie es meine Mama mir beigebracht hat: Seite, Rücken, Seite, Kragen, Ärmel. Ganz klassisch."
David bügelt jeden Tag ein Hemd, bevor er zur Arbeit geht

Während David täglich Zeit darauf verwendet, ein Hemd in Form zu bringen, hat seine Mutter sicherlich auch noch viele andere Sachen gebügelt: Hemden, Hosen, Bettwäsche, Socken und vielleicht sogar Unterhosen. Lutz Vossebein ist Professor für Textil- und Bekleidungstechnik an der Hochschule Niederrhein, er weiß, woran es liegt, dass früher viel mehr gebügelt wurde.

Die Baumwolle, die verarbeitet wurde, war viel dicker und schwerer und wurde dadurch sehr knittrig bei heißen Waschprogrammen. Inzwischen besteht ein großer Teil unserer Kleidung aus Materialien, die auch ungebügelt gut aussehen, sagt Lutz Vossebein.

"Es gibt deutlich weniger Textilien, die man heute bügeln muss – trotzdem sehen sie schön aus."
Lutz Vossebein, Professor für Textil- und Bekleidungstechnik an der Hochschule Niederrhein

Beim Kauf auf Materialien achten

Schon beim Kauf können wir darauf achten, dass wir Kleidungsstücke aussuchen, die nicht so viel knittern. Den größten Unterschied macht dabei, ob es sich um Klamotten aus Strick oder Gewebe handelt. Der Experte für Textil- und Bekleidungstechnik, Lutz Vossebein, sagt, dass wir das ganz leicht daran erkennen können, ob ein Stoff elastisch ist oder nicht.

Wenn es sich um ein T-Shirt oder ein Hoodie handelt, dass flexibel ist und nachgibt, wenn wir daran ziehen, dann handelt es sich dabei um Strick, sagt Lutz Vossebein. Bettwäsche, die nicht elastisch ist, besteht hingegen aus Gewebe.

"Während man früher noch sehr viel dicke schwere Baumwolle benutzt hat, die sehr knittrig wurde bei den heißen Waschprogrammen, ist das heute nicht mehr so."
Lutz Vossebein, Professor für Textil- und Bekleidungstechnik an der Hochschule Niederrhein

Strickwaren sind leichter zu bügeln

Oft sind Strickwaren leichter zu bügeln. Ein schickeres Hemd oder eine Bluse, die wir zur Arbeit oder einer Hochzeit tragen wollen, nehmen mehr Zeit beim Bügeln in Anspruch. Außer wir haben im Kaufhaus vorausschauend zu einem Gewebe gegriffen, das es in einer Bügelfrei-Variante gab.

Gewebe, die bügelfrei genannt werden, sind meist mit Harzen behandelt worden, die zum Beispiel die Baumwolle elastischer machen und dafür sorgen, dass die Fasern sich nicht so stark knicken. Allerdings sagt Lutz Vossebein auch, dass so ein vermeintlich bügelfreies Hemd weniger knittert, aber nicht, dass es gar keine Falten wirft. Wenn es richtig glatt werden soll, müssen wir es bügeln.

"Ich würde sagen, mit dem Bügeleisen durch den Press-Effekt, ist es besser als mit dem Steamer."
Lutz Vossebein, Professor für Textil- und Bekleidungstechnik an der Hochschule Niederrhein

Mit Weichspüler und Steamer gegen Knitter vorgehen

Weichspüler sorgt mit sogenannten kationischen Tensiden dafür, dass die Textilien feuchter bleiben, dadurch knittern die Gewebe weniger. Ein ähnliches Prinzip wenden wir beim Haarewaschen an, wenn wir eine Haarspülung, verwenden. Aber wir brauchen den Conditioner nicht unbedingt, weil wir unsere Wäsche auch mit anderen Methoden bügelfeucht bekommen: zum Beispiel mit einer Wasser-Sprühflasche, dem Dampf aus unserem Bügeleisen oder einem Steamer.

Steamer funktioniert bei leichten Knitterfalten

Wer das Bügeln hasst, kann es also auch mit einem Steamer versuchen: Wir hängen das Kleidungsstück, zum Beispiel ein Hemd, auf einen Bügel und fahren mit dem Steamer daran entlang. Der heiße Dampf, der aus dem Steamer kommt, kann Stellen, die nur leicht knittrig sind, glatt bekommen. Manchmal reicht es sogar, in der Dusche heißes Wasser laufen zu lassen, ein bisschen zu warten, bis sich heißer Wasserdampf gebildet hat, das Wasser wieder abzudrehen und den Bügel mit dem Kleidungsstück in die Dusche zu hängen, das man geglättet haben möchte.

Steamer handlich und bezahlbar

Professionelle Reinigungen nutzen Bügel-Puppen: Das Hemd wird darüber gestülpt, unten festgeklemmt und dann wird heißer Dampf von innen in die Puppe hinein geblasen. Das Hemd bläht sich an der Puppe auf und wird dadurch geglättet. Eine praktische Methode für ein Reinigungsgeschäft, aber eher unpraktisch und viel zu teuer für zuhause. Da ist der Steamer dann schon um einiges handlicher und günstiger.