Der schwedische Staat kümmert sich gut um seine Bürger. Das wissen auch die Deutschen - und übersehen dabei zum Beispiel eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, Probleme im Bildungs- und Gesundheitssektor. Eine Aufklärung.

Auch der Schweden-Korrespondent Tim Krohn ist öfter mal mit der idealisierten Vorstellung der Deutschen von Schweden konfrontiert. So rufen Redaktionen bei ihm an und wollen wissen, wie es denn Schweden macht, wenn es in Deutschland schlecht läuft. Denn in Schweden sei ja schließlich so viel besser, vor allem was sozialer Zusammenhalt, Bildung, Familienpolitik, Integration und Kinderbetreuung angeht.

Kein Bett für die Geburt

Tim Krohn sagt: Bei Themen wie Familienpolitik, Kinderbetreuung und auch bei der Gleichstellung von Mann und Frau ist und bleibt Schweden Vorbild. Doch das darf eben nicht darüber hinweg täuschen, dass Schweden auch Baustellen hat:

  • Wer zum Arzt geht, muss mit massiven Wartezeiten rechnen.
  • Zu manchen Zeiten gibt es auf Entbindungsstationen kaum Betten und Personal.
  • Die Regierung ist eine Minderheitenregierung und nicht sonderlich stabil. Über Neuwahlen wird spekuliert.
  • Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. In Problemvierteln geht die Hälfte der Jugendlichen weder zur Schule noch zur Arbeit.
  • Einer aktuellen Umfrage zufolge sind gerade die jungen Menschen unzufrieden mit ihrer aktuellen Lebenssituation.
  • In Sachen Integration wurde jahrelang nichts unternommen. "Man wollte lieber gar nichts als irgendetwas falsch machen", sagt Tim Krohn.

Doch bei allen Problemen, die Schweden hat - ein Klischee der Deutschen über das Land stimmt: Die Landschaft bietet Grandioses. Und: Die Schweden gehen gut mit ihr um, hegen und pflegen sie.