Angela Merkel will wieder CDU-Vorsitzende werden. 2014 hat sie noch 98 Prozent der Stimmen ihrer Parteimitglieder bekommen. Dieses Mal dürfte es deutlich weniger sein.

Seit 16 Jahren steht Merkel nun schon an der Spitze ihrer Partei. Nun soll es nach ihrem Wunsch in eine weitere, in ihre neunte Runde gehen, bevor sie nächstes Jahr in den Bundestagswahlkampf einsteigt. Sie wird mit Sicherheit in ihrem Amt als Vorsitzende bestätigt, die Frage ist nur: Wie begeistert sind die CDU-Parteimitglieder noch von ihrer Chefin?

AFD-Erfolge verursachen Gegenwind

Die CDU und Merkel haben es nicht leicht miteinander. Die Abschaffung der Wehrpflicht und der Atomausstieg kommen nicht gut an. Vor allem aber Merkels Flüchtlingspolitik wird massiv aus ihren eigenen Reihen kritisiert. Diese Politik hat auch die AFD gestärkt, die bei den letzten Landtagswahlen der CDU viele Stimmen und Erfolge gekostet hat. Das sorgt für Unmut.

"Die CDU-Mitglieder, die vorher leise unmutig waren, werden jetzt laut und mutig."
Ulrike Winkelmann, Politikredakteurin vom Deutschlandfunk

Dabei ist die Beziehung eine sehr pragmatische, eine Zweckgemeinschaft sozusagen. Angela Merkel richtet sich in ihrer Politik an der Realität aus, die Partei hängt sich an den Kanzlerkandidaten, der den meisten Erfolg verspricht. "So gesehen sind beide auf ihre Weise opportunistisch und passen ganz gut zusammen", sagt Ulrike Winkelmann, Merkel-Kennerin und Politikredakteurin vom Deutschlandfunk.

So reagieren CDU und Merkel auch mit ihrer aktuellen Politik. Schon seit fast einem Jahr lässt Merkel den Kurs von der Partei in der Flüchtlingspolitik wieder zu verschärfen. "Merkel selbst tut so, als bliebe sie bei ihrer Haltung vom letzten Jahr", erklärt Ulrike Winkelmann, "aber die Partei ringsherum korrigiert diesen Kurs wieder nach recht." Die Stichworte hier sind: Abschottung, Schließung der Balkanroute, das Abkommen mit der Türkei.

"Ich schätze, dass die CDU insgesamt sehr stark ihr Programm davon abhängig machen wird, wie sich die Lage am Arbeitsmarkt und der Export verändern. Bisher hat sie den Dusel, dass die deutsche Wirtschaft boomt."
Ulrike Winkelmann, Politikredakteurin vom Deutschlandfunk