Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger hat angekündigt, in einem Pilotversuch die Polizeipräsenz bei Bundesligaspielen zu verringern. Die Law-and-Order-Fraktion schlackert mit den Ohren. Aber: Weniger Polizei kann auch mehr Sicherheit bedeuten.

Der Hintergrund: In die Stadien kommen Fans rein, die schon längst kontrolliert worden sind. Sie werden dann noch nach Blöcken getrennt und diese Blöcke werden noch per Video überwacht. "Diese Überwachung ist so akribisch, dass man sehen kann, ob Fan X einen Pickel auf der Nase hat oder nicht", erklärt der Journalist Christoph Ruf. So lasse sich jeder Fan, der etwas angestellt hat, identifizieren. Polizei vor Ort sei dafür nicht nötig, urteilt Christoph

"Es ist komisch, wenn man ins Stadion geht, sich nichts zu Schulden kommen lassen hat und gleich das Gefühl hat, wie ein Verbrecher behandelt zu werden."
Christoph Ruf, Autor des Buches "Kurvenrebellen" über Ultras in Deutschland

Außerdem hat sich herausgestellt: Wenn es zu Zwischenfällen kam, dann war meistens Polizei involviert. Und: Polizei wird als Provokation empfunden. Bei jungen Ultrafans gehöre es dazu, gegen die Polizei zu sein, sich als Staatsfeind zu stilisieren, sagt Christoph Ruf. Bei vielen Fans gebe es aber auch Abneigung der Polizei aus einem Gefühl der Ohnmacht heraus: "Die Abneigung ist oft übertrieben und dient der Selbstfindung, hat aber auch einen wahren Kern."

Sicherheit ohne schwer bewaffnete Hundertschaften

Innenminister Ralf Jäger hat mit seinem Vorstoß das Rad nicht neu erfunden: In Hannover zum Beispiel setzt die Polizei schon seit einiger Zeit auf Deeskalation. Wenn die Fans das Stadion erreichen, prallen sie nicht zuerst gegen eine Wand schwer gepanzerter Polizisten, sondern auf freundliche Beamte, die Orientierung bieten. Und: "Da passiert auch nicht mehr als in anderen Stadien."