Wir sind mitten in der dritten Welle der Corona-Pandemie, weshalb sich die deutsche Regierung für eine "Bundesnotbremse" entschieden hat. Unsere Nachbarländer – mit teilweise deutlich höheren Inzidenzwerten – gehen dagegen teils einen anderen Weg und denken eher Richtung Öffnen.

In Deutschland liegt die bundesweite Inzidenz aktuell bei 174. Das ist schon ziemlich hoch, allerdings liegt sie in vielen unserer Nachbarländer noch höher. Während Luxemburg mit 181 eine ähnliche Inzidenz wie bei uns meldet, liegt der Wert in Belgien bei 211 und in den Niederlanden sogar bei 280. Die Maßnahmen innerhalb der Länder sind aber deutlich verschieden.

Die einen öffnen, die anderen schließen

In Luxemburg gibt es beispielsweise keine Kontrollen bei der Einreise über den Landweg und auch keine Quarantänepflicht. Die Hotels, der Einzelhandel, Sportstätten, Theater und Kinos sind unter gewissen Auflagen sogar geöffnet. In Belgien dagegen haben – wie bei uns – Freizeitstätten nicht geöffnet und auch die Regel, dass sich ein Haushalt mit nur mit einer weiteren Person treffen darf, gilt dort.

"Hotels, Einzelhandel, Sportstätten, Theater und Kinos sind in Luxemburg unter gewissen Auflagen geöffnet."
David Freches, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Ab Montag sieht das in Belgien allerdings anders aus. Dann dürfen alle Geschäfte ohne Terminbuchungen öffnen. Im Freien dürfen sich wieder bis zu zehn Personen treffen. Auch in den Niederlanden möchte der Premierminister Mark Rutte das Risiko wagen. Beispielsweise ist auch dort das Shoppen ohne Termin ab Montag erlaubt. Zudem darf die Außengastronomie tagsüber für bis zu 50 Personen öffnen. Die sehr strenge Ausgangssperre wurde in den Niederlanden ebenfalls Anfang dieser Woche aufgehoben.

Österreich: Lockdown mit regionalen Unterschieden

Unser Nachbarland Österreich hat ebenfalls ähnliche Inzidenzwerte wie wir – Tendenz allerdings fallend, denn das Land befindet sich gerade in seinem vierten Lockdown. Bis auf die notwendigsten Läden hat dort alles geschlossen, berichtet unser Deutschlandfunk-Nova-Reporter David Freches, der derzeit in Wien sitzt. Eine bundesweite Notbremse gibt es allerdings nicht, weshalb die Lockdown-Maßnahmen in den verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich ausfallen.

"Die Umsetzung dieser Lockdown-Maßnahmen werden aber regional ausgestaltet und können daher unterschiedlich sein. Also sowas wie eine bundesweite Notbremse gibt es in Österreich nicht."
David Freches, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

In Wien gebe es zwar eine permanente Ausgangsbeschränkung, die sich allerdings sehr unterschiedlich auslegen lasse, sagt David Freches. Offiziell dürfe man zwar das Haus nicht verlassen, allerdings sind "körperliche oder psychische Erholung mit Bezugspersonen" erlaubt. Bedeutet: Joggen, Spazieren, Leute draußen treffen ist in gewisser Form doch erlaubt. Ab Mitte Mai möchte die Regierung dann weitere Lockerungen in Gang setzen.

Schweden mit einer der höchsten Inzidenzwerte Europas

Im europäischen Sorgenland Schweden ist die Regierung von ihrem ursprünglichen, sehr lockeren Sonderweg etwas abgekommen. Derzeit sind Versammlungen von bis zu acht Personen erlaubt. Freizeitliche Einrichtungen wie Bibliotheken, Schwimmbäder, Museen oder Freizeitparks haben zum großen Teil geschlossen.

Einerseits sterben seit Jahresbeginn immer weniger Menschen in Schweden, andererseits sind die Intensivstationen derzeit voller als in der zweiten Welle. Das zeigt sich auch an einem der höchsten Inzidenzwerte von ganz Europa von derzeit 400.