Die Polizei hat schon länger Schwierigkeiten, ausreichend geeignete Azubis zu finden. Die Bundespolizei wirbt deswegen jetzt mit einem neuen Video um potenzielle Bewerber. Es erinnert teilweise eher an einen Actionfilm: In dem Video gibt's einen Hubschrauber-Einsatz, es werden Häuser gestürmt und Demonstranten in Schach gehalten. Johannes Döbbelt hat sich das Video und die Kritik daran genauer angeschaut.

Die erste Szene in dem Video zeigt eine Demo mit schwarz vermummten Menschen, die gewaltbereit sind, die Steine und Flaschen werfen. Nebelschwaden liegen in der Luft. Die Beamten tragen Helm und Schutzkleidung und formieren sich. Dazu der Text: "Wir sind ein Team. Wir gehen Seite an Seite, gegenseitiges Vertrauen ist für uns ein Muss." Zwei Polizisten blicken sich noch kurz an, klappen ihr Visier runter und stürmen los in Richtung Demonstranten.

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Dieses Werbevideo der Bundesbereitschaftspolizei ist ziemlich vollgepackt mit Action und Spannung. Wir sehen Spezialeinheiten beim Schusstraining, einen Polizisten, der sich an einer Häuserfassade abseilt, Beamte, die Wohnungen stürmen (1:35 Min) und per Hubschrauber für den nächsten Einsatz durch die Gegend fliegen (2:15 Min). Aber sieht so wirklich der Alltag aus? Jörg Radek, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, sagt: "Zunächst mal spiegelt das Video den Berufsalltag einer Bundesbereitschaftspolizei als Video authentisch wieder."

Risikobereitschaft? Teamplay? - Diskussionen um den Imagefilm der Bundespolizei

Der Wirtschafts- und Werbepsychologe Florian Becker sieht das Video mit etwas kritischeren Augen. Er findet vor allem die erste Szene, in der eine Demonstration aufgelöst wird, könnte den Eindruck erwecken, die Polizei gehe gegen die eigene Bevölkerung vor. Becker sagt: "Die würde ich einfach weglassen, weil das die Gefahr birgt, dass ich Menschen anziehe, die vielleicht von ihrem Wertesystem gar nicht so zur Polizei passen."

"Ich finde die erste Szene ist etwas unglücklich, weil sie die Assoziation weckt, man geht gegen die eigene Bevölkerung vor, schlägt eine Demonstration nieder, löst sie zumindest auf. Die würde ich einfach weglassen."
Florian Becker, Wirtschafts- und Werbepsychologe

Bilder von Action und Abenteuer könnten also Bewerber anziehen, die genau das suchen. Die eher risikobereit sind, als dass sie ruhige und besonnene Polizistinnen und Polizisten werden, die auch Konflikte schlichten und im Team arbeiten können. William Bobach findet diese Kritik nicht gerechtfertigt. Er ist selbst Bundespolizist, bei der deutschen Polizeigewerkschaft aktiv und findet, dass das Video vor allem ausdrücke, dass Teamplayer gesucht werden – keine Einzelkämpfer.

"Das, was am meisten in dem Video rüberkommt, ist natürlich dieses Wir-Gefühl, dass wir gerade bei der Bundespolizei keine Einzelkämpfer brauchen, sondern natürlich Teamplayer suchen."
William Bobach, Bundespolizist und bei der deutschen Polizeigewerkschaft aktiv

Das Video zeigt die Männer und Frauen fast schon als Helden, die jeden Tag ihren Dienst für die Allgemeinheit leisten – und dabei nebenbei auch noch schwierige Aufgaben erfüllen, Verdächtige observieren und Terroristen festnehmen. Was nicht vorkommt: Überstunden, stundenlanges Rumstehen und Büro-Arbeit. Der Werbepsychologe Florian Becker fragt sich, ob durch das Video wirklich die richtigen Erwartungen geweckt werden: "Weil es natürlich ansonsten zu Enttäuschungseffekten führen kann. Ich hole also Menschen, die sich so eine Art Abenteuerurlaub vorstellen, und die merken dann: Ja gut, 99 Prozent ist aber doch was ganz anderes zu tun."

Action statt Büroarbeit

Jörg Radek sieht das nicht so. Er verweist auf die vielen Einsätze der Bundespolizei im vergangenen Jahr: in Köthen, Chemnitz, im Hambacher Forst und dann am Wochenende wieder bei Fußballspielen. Radek sagt: "Sie sehen: Da ist wenig Platz für Büroarbeit, die so auch nicht in der Realität stattfindet."