• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Alle zehn Jahre startet die große Waldinventur in Deutschland. 2021 ist es wieder soweit, das Sammeln der Daten hat schon begonnen. In Thüringen zum Beispiel zeigt sich, dass Dürre und Hitze den Wäldern extrem zusetzen. Neben den Folgen der Klimakrise geht es auch um die Frage, wie wir den Wald nutzen wollen, so unsere Reporterin Anna Kohn.

Ein Drittel der Fläche Deutschlands ist Wald. Und dieses Drittel wird alle zehn Jahre genau unter die Lupe genommen. Seit April läuft die vierte Bundeswaldinventur. Bis Ende Dezember 2022 werden dafür in ganz Deutschland Daten gesammelt. In Thüringen hat die Stichprobenerhebung als Teil der großen Inventur begonnen. Rückschlüsse auf den Wald lässt auch der Waldzustandsbericht zu, der jährlich erstellt wird und stärker auf die Gesundheit der Bäume eingeht.

Deutlich wird: Der Zustand des Waldes ist nicht gut. Auch nicht in Thüringen, so Anett Wenzel. Sie leitet das Referat "Waldzustand" am Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha. In Thüringen gibt es rund 550.000 Hektar Wald mit geschätzt 330 Millionen Bäumen. Luftaufnahmen aus 2020 zeigen, dass es dem Wald so schlecht geht wie seit 30 Jahren nicht mehr.

Klimakrise hat Folgen für den Wald

Auch in Thüringen zeigt die Klimakrise ihre Folgen, so unsere Reporterin Anna Kohn. Die anhaltende Trockenheit sorgt dafür, dass sich Schädlinge wie der Borkenkäfer stark vermehren können. Davon betroffen sind vor allem Fichten. Aber auch alle anderen Baumarten leiden unter Dürre und Hitze. "Die Buche hat auch mit der Trockenheit zu kämpfen", sagt Anett Wenzel, "Wir sehen, dass Pilze quasi Oberwasser bekommen und die Buche zum Absterben bringen."

"Leider sind alle Baumarten betroffen. Die Fichte als häufigste Baumart ist natürlich anteilig am häufigsten betroffen."
Anett Wenzel, Forstliches Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha

Wenn es um den Zustand des Waldes geht, spielt auch seine Nutzung eine Rolle - und die Frage nach der richtigen Nutzung. "Seit einigen Wochen beklagen Handwerksbetriebe, dass sie kein Baumaterial mehr bekommen", sagt Anna. Bauholz ist zurzeit knapp, und die Preise sind extrem angestiegen.

Das Holz des Waldes nachhaltig nutzen

Dafür gibt es mehrere Gründe: Der weltweite Bauboom und wachsende Holzexporte nach China oder auch in die USA spielen eine Rolle. Im Ausland wird teils mehr bezahlt für Bauholz als in Deutschland. "Selbst für minderwertiges Fichtenholz", sagt Anna.

Hinzu kommt, dass viele Forstbetriebe einen sogenannten Einschlagstopp verhängt hatten, weil der Holzmarkt gesättigt schien. Man wollte vermeiden, dass Holz geschlagen wird, das nicht rentabel verkauft werden kann. Doch dann wurde viel mehr Holz nachgefragt. "Deshalb haben einige Forstbetriebe wie zum Beispiel in Bayern den Einschlagstopp wieder aufgehoben", sagt unsere Reporterin.

Um herauszufinden, ob unser Wald nachhaltig oder zu viel genutzt wird, auch deshalb gibt es die Bundeswaldinventur – eben um einen Vergleich zu haben, wie viel Fläche noch mit Wald bewachsen ist im Vergleich vor zehn Jahren. Für Anett Wenzel ist es auch wichtig, wie der Wald genutzt wird, ob ellein für Brennholz oder als Bauholz.

"Man sollte das Holz elegant verwerten. Eben nicht nur als Brennholz, sondern auch als Bauholz. Dann kann das Holz viel länger als CO2-Speicher Verwendung finden."
Anett Wenzel, Forstliches Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha

Und sie erinnert an die drei Funktionen des Waldes: Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion. Alle drei hätten ihre Berechtigung. Auch die Nutzung sei wichtig, denn daran hängen auch viele Arbeitsplätze, so Anett Wenzel. Aber eben eine gute Nutzung.