Im französischen Cannes mussten Frauen erstmals Strafe zahlen, weil sie am Strand einen Burkini trugen. Sechs weitere Gemeinden wollen sich dem Burkiniverbot anschließen.

Ob der Burkini verboten ist oder nicht, bleibt in Frankreich den Gemeinden überlassen. Cannes war die erste Stadt, die ein Burkini-Verbot verhängt hat, fünf weitere sind nun gefolgt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. In Cannes soll damit die strikte Trennung von Kirche und Staat gewährleistet bleiben. Die Franzosen sagen: Religion ist Privatsache und hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen.

Unterdrückung oder freiwillige Entscheidung?

In anderen Gemeinden geht es um die Wahrung der öffentlichen Ordnung. Der Burkini sorge für Provokation. So war es auf Korsika sogar zu Prügeleien, Messerstechereien und brennenden Autos gekommen, nachdem Jugendliche am Strand Frauen im Burkini fotografiert hatten. Weitere Begründungen für ein Burkini-Verbot lauten: Der Burkini sei ein Symbol für islamistischen Extremismus. Außerdem verstoße er gegen die guten Sitten und sei unhygienisch.

Während in Frankreich Niqab und Burka bereits seit fünf Jahren verboten sind, wird in Deutschland derzeit wieder über ein Verbot diskutiert. Frankreich will noch einen Schritt weitergehen und das Kopftuch auch an Universitäten verbieten. An Schulen ist das Kopftuch verboten.

Kern der Debatte verfehlt

"Wir sind aus der Phase raus, in der wir Frauen vorschreiben, was sie anziehen dürfen oder nicht."
Ann-Kathrin Horn, DRadio Wissen-Nachrichten

Das Burkiniverbot löst in Frankreich erneut eine hitzige Debatte aus, wie dieser Tweet zeigt, der einen Burkini einem Ganzkörper-Neoprenanzug gegenüberstellt. Zum Kern der Debatte dringt dabei aber kaum jemand vor. Denn eine Frage ist: Tragen Frauen Burka oder Burkini freiwillig oder nur deshalb, weil ihre Ehemänner beziehungsweise ihre Familien sie dazu drängen?

Ein Bild zeigt einen Frau im Burkini und einen Schwimmer in einem Ganzkörperneopren
Im Netz wird die Burkini-Verbots-Debatte emotional geführt, trifft aber nur selten den Kern.

Von außen ist es natürlich schwer zu beurteilen, ob eine Frau sich freiwillig verschleiert oder dazu gezwungen wird. Deshalb sind mehr Stimmen muslimischer Frauen in der Debatte wichtig. Dazu lohnt es sich muslimische Feministinnen zu befragen, die einschätzen können, ob Verschleierung auch immer Unterdrückung bedeutet. Darüber haben wir im Grünstreifen schon mit der Feministin und Muslima Sineb El Masrar gesprochen.