Viele Verkehrsverbünde erhöhen die Ticketpreise zum 1. Januar 2023. Das wird hauptsächlich mit den gestiegenen Energiekosten begründet.

Ticketpreise für den öffentlichen Personennahverkehr werden zum 1. Januar 2023 teurer. Die Preise steigen dann um bis zu 9 Prozent. Das hat eine Auswertung der Deutschen Presse-Agentur bei knapp einem Dutzend Verkehrsbetrieben ergeben. Am stärksten steigen die Preise beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar.

Allerdings finden Preissteigerungen nicht nur zum 1. Januar statt. Manche Verkehrsverbünde haben bereits im Sommer oder Herbst 2022 die Ticketpreise erhöht. Andere werden dies voraussichtlich erst im Februar oder März 2023 tun.

"Im Sommer und im Herbst hatten wir schon Preissteigerungen. Es sind viele Verkehrsverbünde dabei, die werden erst jetzt im Frühjahr irgendwann rangehen, also im Februar, März."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Zudem gebe es Überlegungen, die Ticketpreise für den ÖPNV an die Inflation zu koppeln, sagt der Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven. Das könnte dann bedeuten, dass es nicht bei einer einmaligen Preiserhöhung bleibt, sondern dass die Preise stetig steigen würden.

ÖPNV: Umsatzausfälle von circa dreieinhalb Milliarden Euro in 2022

Der Anstieg der Energiekosten ist eines der Hauptargumente für die steigenden Ticketpreise. Bei Diesel sind die Kosten um rund 50 Prozent höher, bei Strom sogar 70 Prozent. Daneben sind auch die Personalkosten gestiegen. Das alles wirke sich zudem auf Wartungsarbeiten, auf Ersatzteile, Schmierstoffe und ähnliches aus, sagt der Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven.

"Das Problem ist, wer finanziert den ganzen Spaß? Wir wissen alle: Die Kassen sind leer."
NIcolas Lieven, Wirtschafts

Die Kassen der Kommunen seien leer, sagt der Wirtschaftsjournalist. Geringere Einnahmen bei den Verkehrsbetrieben hängen mit den Homeoffice-Regelungen während der Pandemie zusammen. Deutlich weniger Menschen haben in dieser Zeit den ÖPNV genutzt.

Je nach Branche liegt der Anteil der Menschen, die im eigenen Homeoffice arbeiten, immer noch bei 25 bis 35 Prozent, schätzt der Wirtschaftsjournalist. Dadurch gab es bereits im vergangenen Jahr Umsatzausfälle von ungefähr dreieinhalb Milliarden Euro.

Zurückhaltung beim Kauf von ÖPNV-Abos

Viele Menschen hielten sich bei Abschluss eines teuren oder langfristigen ÖPNV-Abos zurück, sagt Nicolas Lieven. Die Zurückhaltung hänge aber auch mit einer gewissen Unsicherheit zurück. Das 49-Euro-Ticket sollte ursprünglich mit dem Beginn des Jahres 2023 eingeführt werden. Voraussichtlich soll es nun doch erst im April 2023 starten.

Ob Fahrgäste mit einem 49-Euro-Ticket ein Fahrrad mitführen dürfen – und dies beispielsweise auch deutschlandweit – sei nicht geklärt, sagt Nicolas Lieven. Auch solche ungeklärten Fragen tragen dazu bei, dass viele Fahrgäste mit dem Kauf eines ÖPNV-Abos warten.

"Unterm Strich ist einfach wahnsinnig viel Unsicherheit im Markt. Deswegen halten sich die Leute jetzt im Augenblick einfach zurück. Und das sind zählbare Einnahmen, die den Unternehmen im Augenblick fehlen."
NIcolas Lieven, Wirtschaftsjournalist
  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist