Seit September 2019 wüten in Australien Buschfeuer, in denen die Häuser vieler Menschen verbrannt sind. Julia Hegarty wohnt mit ihrer Familie rund 160 Kilometer von dem "Megafeuer" entfernt, das auch bei uns seit Tagen die Schlagzeilen beherrscht.

Eine Fläche, die so groß ist wie Bayern und Baden-Württemberg zusammengenommen, ist in den australischen Bundesstaaten New South Wales und Victoria bereits abgebrannt. Viele Menschen aus der Region sind obdachlos geworden, einige sind in den Flammen umgekommen. Über eine Milliarde Tiere sollen verbrannt oder durch den Rauch erstickt sein.

Julia Hegarty stammt Leverkusen, lebt aber schon lange mit ihrer Familie in Australien. Ein Buschfeuer brennt rund 40 Kilometern von ihrem Haus in Northern Beaches, einem Randgebiet von Sydney, entfernt. Das "Megafeuer", über das die Medien in den vergangenen Tagen berichtet haben, ist rund 160 Kilometer von Julias Haus entfernt.

"An manchen Tagen wissen wir, dass blauer Himmel sein sollte, aber es ist kein blauer Himmel und man sieht wirklich nichts mehr – das ist dann so wie ganz dicker Nebel. Teilweise sehe ich die Häuser am Ende meiner Straße nicht mehr."
Julia Hegarty, lebt mit ihrer Familie in Australien

Die Schule, an der Julia Hegarty unterrichtet, liegt in einem kleinen Naturschutzgebiet. In ihrem Fall ist das nicht so gefährlich, weil es viele Zufahrtsstraßen gibt und ein Feuer aufgrund der guten Infrastruktur schnell unter Kontrolle gebracht werden kann. Anders sieht das im Norden und Süden des Landes in kleinen Ortschaften aus, die mitten im Busch liegen und nur eine einzige Zufahrtsstraße besitzen. Wenn ringsherum Feuer ausbricht, kann es für die Menschen schwierig werden, einen Ausweg zu finden und sich in Sicherheit zu bringen.

Per App beobachten, wie sich Brände entwickeln

Wenn Julia aus dem Haus tritt, riecht es nach Rauch. Durch die Brände legt sich der Rauch wie ein Nebel über das Viertel in dem Julia mit ihrer Familie wohnt. Oft kann sie inzwischen an Tagen, an denen sonniges Wetter angekündigt ist, wegen des Rauchs die Häuser am Ende ihrer Straße nicht mehr erkennen.

"Wir verfolgen die schlimmen Brände im Norden und Süden – genau wie ihr – am Fernseher."
Julia Hegarty, lebt mit ihrer Familie in Australien

Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass das Haus von Julia Hegarty akut bedroht wird, hat sie sich eine App auf ihr Smartphone geladen, die anzeigt, wie weit die Buschfeuer sich ausgebreitet haben. Je nach Gefahr sind die Brände weiß, blau, gelb und rot markiert. Weiß steht für weniger gefährlich, rot steht für die höchste Warnstufe und bedeutet, dass das Feuer außer Kontrolle geraten ist.

Notfallkoffer nicht gepackt

Die australische Regierung empfiehlt ihren Bürgern im Fall eines Buschfeuers ein "Emergency survival kit" bereitzuhalten, damit sie ihre Wohnungen im Notfall schnell verlassen können. Julia, die anfangs im Osten Sydneys, in Bondi gelebt hat, erschien die Gefahr eines Buschfeuers noch vor einiger Zeit unwahrscheinlich, weil sie an ihrem alten Wohnort eher mit Überschwemmungen zu kämpfen hatte, wenn es mal geregnet hat.

Gute Infrastruktur macht unkontrollierbare Brände in und um Sydney unwahrscheinlich

Zwar muss sie sich an ihrem jetzigen Wohnort im Norden der Stadt nicht mehr mit Überschwemmungen auseinandersetzen, hat aber auch immer noch kein Emergency survival kit, das sie bereithält, weil sie davon ausgeht, dass sie genug Zeit hätte, ihre zwei Kinder und den Hund ins Auto zu packen und wegzufahren, falls die Brände ihr Haus bedrohen sollten. Eine akute Gefahr durch Buschbrände ist aber aufgrund der guten Infrastruktur in Sydney und seinen Randgebieten eher unwahrscheinlich. Julia Hegarty geht davon aus, dass die Feuerwehr eine gute Chance hätte, ein Feuer schnell wieder unter Kontrolle zu bekommen.