Wir alle leben in einer Onlinefilterblase, in der uns nur noch die Wahrheiten auf unserer Timeline erreichen, die unser Weltbild bestätigen. Das Onlinemagazin Buzzfeed will das ändern und hat mit "Outside Your Bubble" ein Tool entwickelt, das Lesern einen Blick über den Tellerrand ermöglichen soll.

Die US- Präsidentschaftswahl hat gezeigt: Der vegane Großstadthipster aus New York City weiß nicht, was der Trump-wählende "Make-America-Great-Again"-Buddy aus Iowa so denkt. Viele US-Unternehmen fragen sich seitdem: Wie kann man den Menschen zeigen, was außerhalb der eigenen Filterblase passiert? Wie können Menschen Standpunkte begreifen, die anders als die eigenen sind? Wie kann man sie zumindest dazu bringen, sich einzugestehen, dass andere Menschen andere Weltbilder und Wahrnehmungen haben als man selber?

"Wir leben alle in Filterblasen"

Laut einer aktuellen Umfrage des Pew Research Centers informieren sich über 40 Prozent der US-Bürger über Facebook. Der Facebook-Algorithmus wiederum spült einem bekanntlich eher die Nachrichten in die Timeline, die dem eigenen Weltbild entsprechen.

"Buzzfeedchef Ben Smith sagt, wir alle leben in Filterblasen in den sozialen Medien. Deswegen hat er jetzt das Tool "Outside Your Bubble" eingeführt, das in Zukunft unter viel geteilten, kontroversen Nachrichtenartikeln platziert wird."
Martina Schulte, DRadio Wissen

Dafür suchen Buzzfeed-Mitarbeiter bei Twitter, Facebook, Reddit, in Blogs und Onlineportalen voneinander abweichende Meinungen und posten sie dann unter den Artikel. So zum Beispiel bei dem Buzzfeedartikel "Twitter Is Now Temporarily Throttling Reach Of Abusive Accounts".

Outside Your Bubble - Other perspectives on this story

Buzzfeed berichtet darin, dass Tweets von Usern, die in der Vergangenheit wegen Beleidigungen aufgefallen sind, Leuten bei Twitter, die diesen Usern nicht folgen, einen halben Tag lang nicht mehr angezeigt werden. In der Box "Outside the Bubble" werden darunter verschiedene Meinungen dazu angezeigt - zum Beispiel aus dem Redditforum @TheDonald, in dem ein Redditer die Entscheidung von Twitter mit dem Polizeistaat in Orwells "1984" vergleicht. Und als abweichende Meinung dazu, die Aussage eines Users bei Twitter, der meint, dass man zwar sagen kann, was man will, aber niemand verpflichtet ist, einem dafür eine Plattform zur Verfügung zu stellen.

Auch andere amerikanische Medien beschäftigt das Thema. CNN hat mehrere Korrespondenten, die nur damit beschäftigt sind, die Meinungen der Trump-Supporter abzubilden. Auf die Frage, ob nicht noch viel mehr getan werden müsse für Zuschauer, die an Nachrichten wie “Pizzagate” oder das “Bowling Green massacre” glauben, sagte CNN-Chef Jeff Zucker, die Verantwortung der Medien sei es, die Wahrheit zu sagen und die Fakten zu veröffentlichen, aber auch: "Wir können die Menschen nicht dazu bringen, an etwas zu glauben, wenn sie nicht daran glauben wollen."