Campino liebt Fußball - egal, ob er zuschaut oder selbst auf dem Rasen steht. Eine Sache liegt ihm noch mehr am Herzen: Dem Fremdenhass die Stirn bieten. Das machen die Toten Hosen zusammen mit dem Symphonieorchester der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Gemeinsam haben sie Songs aufgenommen, die in der Nazizeit als entartet galten.

1938 organisierten die Nazis in Düsseldorf eine Ausstellung, in der sie Musiker und Songs vorstellten, deren Musik ihnen nicht in den Kram passte. Einige dieser Songs haben die Toten Hosen gemeinsam mit dem Symphonieorchestser der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf vertont. Das ist schon zwei Jahre her. "Es war nie geplant, diese Aufnahmen zu veröffentlichen", sagt Campino im Interview mit Thilo Jahn. Der ursprüngliche Plan sei gewesen, gemeinsam mit dem Orchester aufzutreten. Das war allerdings zu teuer. Darum ist am Ende das Doppel-Album "Entartete Musik: Willkommen in Deutschland - ein Gedenkkonzert" dabei herausgekommen. Darauf zu hören: Zwölftonmusik von Arnold Schönberg, Songs von den Comedian Harmonists und Lieder aus der Dreigroschenoper. Einen ersten Eindruck davon bekommt ihr hier:

"Es sollte nicht zu staatstragend werden, wir wollten zwischendurch auch mal Momente liefern, wo die Leute auch mal lächeln oder grinsen können."
Campino über das Projekt "Entartete Musik: Willkommen in Deutschland - ein Gedenkkonzert"

"Momente der Hoffnung"

Mit dem Doppelalbum möchte Campino auch einen Beitrag zur Debatte rund um Flüchtlinge und Fremdenhass leisten. Es geht darum zu zeigen: So etwas gab es in Deutschland schon einmal und wir wollen das nicht wieder haben. "Ich sehe natürlich die Hässlichkeit mit der wir jeden Tag konfrontiert werden. Gleichzeitig sehe ich auch viele Leute mit Rückgrat, die sich einbringen. Lehrer die beim Dolmetschen helfen, Menschen die bei der Essens- und Klamottenausgabe helfen." Campino versucht sich auf die positiven Dinge zu konzentrieren, anstatt sich mit dem "braunen Sumpf" abzugeben.

"Rechtsextremismus ist wie ein Pilz. Den kann man eine Zeit lang nicht sehen. Aber wenn die Zeiten wieder krass werden, ist er sofort wieder sichtbar - in seiner Hässlichkeit und Gefahr. Es gilt, darüber nicht müde zu werden und gegenzuhalten."
Campino über den "braunen Sumpf"

"Einen solchen Respekt habe ich noch nie erfahren"

Campino ist viel unterwegs - in den vergangenen Monaten war er in Frankreich, Spanien und England. Überall, erzählt er, hätten die Leute ihn mit offenen Armen empfangen.

"Die einzelnen Bürger, nicht die Regierung, sagen: Hut ab, wie ihr versucht euch dem Thema Flüchtlinge zu stellen."
Campino erklärt, wie er zurzeit im Ausland als Deutscher wahrgenommen wird

Von anderen massentauglichen, deutschen Künstlern erwartet Campino, dass sie sich in die Flüchtlingsthematik einbringen. Ein Beispiel? Helene Fischer. "Ich muss jetzt kein Duett mit ihr singen, aber wenn Helene Fischer sich einbringt und riskiert, dass ihre Popularität dadurch sinkt, wäre das ein beachtliches Zeichen."

Campino und Thilo Jahn