In den USA hat Cannabidiol einen Hype ausgelöst, der Stoff soll entspannend und Angst lösend wirken. Die Folge: Menschen essen Pralinen mit CBD, schütten sich den Wirkstoff in die Badewanne, nutzen damit angereicherte Cremes oder trinken Tee mit CBD. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz hat genauer hingeschaut und erklärt, welche Wirkungen belegt sind – und welche nicht.

Cannabidiol stammt - wie THC – aus Cannabisblüten. Im Gegensatz zu dem berauschenden THC macht Cannabidiol allerdings nicht high. In Deutschland gilt es daher nicht als Betäubungsmittel und ist legal, solange die Produkte aus Hanfextrakt nicht mehr als 0,2 Prozent THC enthalten. Für diese Produkte eignen sich Hanfsorten, die von Natur aus wenig THC enthalten.

Cannabidiol: Vielversprechend, aber noch zu wenig erforscht

Auch die Weltgesundheitsorganisation hat sich positiv zu Cannabidiol geäußert: Der Wirkstoff sei vielversprechend zur Behandlung einer Reihe von Krankheiten. Er mache nicht süchtig, es sei also nicht zu befürchten, dass Menschen abhängig werden. Zudem sei er gut verträglich – es gebe nur wenige Nebenwirkungen.

"Bisher ist die Studienlage insgesamt noch ziemlich dünn und viele der Vermutungen und Hoffnungen, die es gibt, sind nicht belegt durch gute wissenschaftliche Daten."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Bei einigen Formen von Epilepsie soll Cannabidiol zum Beispiel helfen: In den USA ist ein Medikament auf Basis von Cannabidiol zugelassen worden, dass gegen epileptische Krämpfe wirkt. Außerdem ist Cannabidiol in einem Spray gegen Spastiken für Menschen mit Multipler Sklerose enthalten – das Medikament wird wahrscheinlich 2019 auch in Deutschland auf den Markt kommen.

Es gibt auch Studien, die darauf hindeuten, dass Cannabidiol Psychosen bei Menschen mit Schizophrenie abschwächen kann – hinzu kommen erste belegbare Hinweise, dass es Angst lösend wirken kann. Trotz dieser Erkenntnisse: Viele Vermutungen und Hoffnungen sind bisher noch nicht durch gute wissenschaftliche Daten belegt.

Hype könnte für zukünftige Behandlungen von Nachteil sein

Während die Wissenschaftler weiter forschen, haben Hersteller in den USA schon ihr nächstes Wundermittel gefunden, wie das Angebot in den USA zeigt. Das scheint für den Einzelnen im ersten Moment zumindest nicht schädlich. Trotzdem könnte es von Nachteil sein, Cannabidiol an eine breite Masse zu vermarkten. 

Sanjay Gupta, Arzt und CNN-Chef-Wissenschaftsreporter sagte zum Beispiel vor Kurzem in der Sendung Dr. Oz Show, dass Cannabidiol das Potenzial habe, Menschen zu helfen. Aber er mache sich Gedanken, dass die vielen kommerziellen CBD-Produkte die Wirkung von Cannabidiol als kontrollierte Arznei verwässern könnten. 

"I think there is a legitimate Medicine here, I think we are talking about something that could really help people and I worry about it when I see products like this that they could minimize the importance of what cbd could do for people."
Sanjay Gupta, Arzt und CNN-Chef-Wissenschaftsreporter in der Sendung Dr. Oz Show vor einem Tisch mit CBD-Produkten stehend

Anbieter versprechen Wirkungen, die nicht belegt sind

In Deutschland ist Cannabidiol seit zwei Jahren verschreibungspflichtig – allerdings nur, wenn es als Arzneimittel vermarktet wird. Das bedeutet: In manchen Geschäften gibt es frei verkäufliche CBD-Produkte, zum Beispiel CBD-Öle oder Nahrungsergänzungsmittel. Im Netz ist die Auswahl noch größer. 

Gerade die Nahrungsergänzungsmittel dürfen eigentlich nicht mit gesundheitlichen Wirkungen beworben werden – trotzdem hat unsere Reporterin Verena einige Seiten mit Anbietern gefunden, die genau das tun. Die Verbraucher werden also streng genommen getäuscht, weil die tatsächliche Wirkung der Präparate nicht belegt ist.

"Das Problem ist die Verbrauchertäuschung. Also zu sagen, etwas hätte gesundheitliche Wirkungen, obwohl die gar nicht belegt sind."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Denn oft wird gar nicht klar, wie viel Cannabidiol eigentlich in einem Produkt enthalten ist – schließlich handelt es sich nicht um Arzneimittel. Die US-Verbraucherschutzorganisation ConsumerLab hat verschiedene CBD-Produkte getestet und herausgefunden, dass sich die enthaltenen Mengen an CBD sehr unterscheiden: von 2 Milligramm pro Dosis bis 20 Milligramm pro Dosis. 

Zum Vergleich: Bei Studien zu Epilepsie lag die Dosierung bei 300 Milligramm oder auch 600 Milligramm, damit der Stoff wirken konnte. ConsumerLab sagt, dass es keine wissenschaftlichen Belege dafür gebe, dass Cannabidiol in den geringen Mengen, in denen es in kommerziellen

CBD-Produkten enthalten ist, überhaupt wirken kann.

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