Kiffen löst Denkblockaden und macht kreativ? Nix da. Es führt genau zum Gegenteil: Cannabis macht unkreativ und verhindert, dass wir unsere eigenen Fehler wahrnehmen.

Erforscht hat das der niederländische Student Mikael Kowal an der Uni Leiden. Seine 60 Versuchsteilnehmern hat er in drei Gruppen eingeteilt und dann unterschiedliche Dosen Cannabis verabreicht: Die einen bekamen 5,5 mg THC, die anderen 22 mg THC und eine dritte Gruppe bekam einen Placebo. Dann hat er ihnen eine Aufgabe gestellt: Sie sollten aufschreiben, wofür sie normale Haushaltsgegenstände zweckentfremden könnten. Die Studienteilnehmer, die die höchste Dosis THC eingenommen hatten, schnitten dabei am schlechtesten ab.

Bekiffte Loser merken nicht, dass sie Loser sind

Damit widerlegt Mikael Kowal ein Vorurteil, dass wir schon ziemlich lange übers Kiffen haben: Viele Cannabiskonsumenten haben nämlich das Gefühl, sie seien kreativer, wenn sie geraucht haben.

"Das reine Gefühl kreativer zu sein, heißt eben nicht, dass man auch kreativer ist."
Mikael Kowal über die Effekte des Kiffens

Ähnlich ist es auch bei Fehlern: Wer bekifft ist und einen Fehler macht, bekommt das nur eingeschränkt mit. Dazu hat Kowal seine Probanden eine Reihe aus fünf Buchstaben an Bildschirmen lesen lassen. Sie sollten per Knopfdruck bestimmen, welcher Buchstabe in der Mitte steht. Dabei hat er die Gehirnströme seiner Probanden gemessen. Er wollte wissen: Wie reagiert das Gehirn, wenn der Proband einen Fehler macht?

Solche Fehler nehmen wir häufig bewusst wahr. Dann ärgern wir uns zum Beispiel direkt darüber, wenn wir den falschen Buchstaben angeklickt haben. Das Gehirn checkt Fehler aber auch unbewusst. Mikael Kowal stellte fest: Bei niedriger Cannabisdosis war die bewusste Fehlerwahrnehmung des Gehirns schlechter. Bei hoher Cannabisdosis war auch die unbewusste Fehlerwahrnehmung gestört.

Die Spätfolgen des Cannabiskonsum

In Mikael Kowals Studie ging es vor allem um Langzeitfolgen von Cannabiskonsum. Dabei stellte er fest: Je früher Leute anfangen, Cannabis zu konsumieren, umso stärker sind die emotionalen und kognitiven Spätfolgen - vor allem wenn Teenager vor dem 14. oder 15. Lebensjahr damit anfangen. Wer erst im Erwachsenenalter anfängt zu kiffen, bei dem sind die Effekte eher reversibel.