Talentierter Hacker, Pionier, Cloud-Dienst-Begründer, Krimineller, Prolet - auf Kim Dotcom passen viele Beschreibungen. Auch deshalb ist der Film über ihn so spannend, der jetzt in die Kinos kommt.

Kim Dotcom beschreibt sein Leben als Film, und so ist es nicht verwunderlich, dass über den schillernden IT-Unternehmer, Hacker (wie er sich selbst versteht) und in gewisser Weise auch Pionier tatsächlich ein Film entstanden ist: "Caught in the Web" läuft heute (24.08.) in ausgewählten Kinos an, im Netz ist der Film auch zu sehen.

Kim Dotcom heißt eigentlich Kim Schmitz, ist Mitte 40, kommt ursprünglich aus Kiel und ist im und durch das Internet reich geworden. Das erste Mal sorgte er für größeres Aufsehen, als er in einer WDR-Sendung vorführte, wie er kostenlos telefonieren kann, obwohl das technisch eigentlich nicht möglich sein sollte.

Kim Dotcom in einem Gerichtssaal in Neuseeland
© picture alliance (dpa)
Kim Dotcom in einem Gerichtssaal in Neuseeland

Dann fälschte er Telefon- und Kreditkarten und kam das erste Mal vor Gericht. Das Urteil: zwei Jahre auf Bewährung. Und eigentlich ist genau das sein Durchbruch gewesen. Er verschaffte sich Aufmerksamkeit in ganz Deutschland und schaffte es, sie positiv für sich zu nutzen. Er machte sich als IT-Sicherheitsberater einen Namen, so etwas gab es zu der Zeit eher selten.

Hollywood übt Druck aus

Kim Dotcom wurde ein zweites Mal verurteilt, daraufhin verließ er Deutschland und steckte das Geld, das er noch hatte, in das File-Sharing-Portal Megaupload. Einerseits war das Pionierarbeit, denn er entwickelte damit im Jahr 2005 quasi die Vorläufer von Dropbox und anderen Cloud-Diensten. Andererseits legte Kim Dotcom damit den Grundstein für sein späteres Leben als Verfolgter.

"Die Doku ist spannend, weil sie so viele wichtige Sachen anspricht. Sie zeigt das Versagen der Justiz, wie sich die US-Regierung von Hollywood hat um den Finger wickeln lassen, wie Geheimdienste auf der Welt zusammenarbeiten und wie die Überwachung immer mehr zunimmt."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova
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Megaupload wurde genutzt, um vor allem Filme zu teilen. Nach US-Recht ermöglichte die Plattform also massenhaft Urheberrechtsverletzungen, die unter hohen Strafen stehen. Hollywood hat so viel Druck auf die US-Regierung ausgeübt, dass sie ein Auslieferungsverfahren in Neuseeland gestartet hat, wo Kim Dotcom inzwischen lebt. Bei einer Razzia auf seinem Anwesen - inklusive Spezialeinheit und Hubschrauber - wurde er 2012 festgenommen. Einen Monat später aber gewährte ein neuseeländischer Richter die Freilassung gegen Kaution. Das Auslieferungsverfahren gegen Kim Dotcom läuft übrigens immer noch, jetzt seit bald fünf Jahren.

Debatte über Urheberrecht

Der Film "Caught in the Web" zeigt das Leben Kim Dotcoms, Interviews mit vielen Begleitern, Freunden, Protagonisten, Gegnern und nutzt auch tonnenweise Privataufnahmen, die Kim Dotcom den Regisseuren zur Verfügung gestellt hat.

"Kim Dotcom ist sicher nicht der Held, als der er sich gerne inszeniert. Er hat aber eine Debatte übers Urheberecht in Zeiten des Internets ausgelöst und auch dafür gesorgt, dass Film- und Musikindustrie sich funktionierende Geschäftsmodelle fürs Netz überlegt haben. Auch wenn es eigentlich immer nur um ihn selbst gegangen ist."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova