Die neue Ausgabe des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" ist auch in Deutschland erhältlich. Besser gesagt: war. Denn binnen Minuten war das Magazin ausverkauft. Auf dem Titelbild ist der Prophet Mohammed zu sehen. In mehreren muslimischen Ländern kam es deshalb zu Tumulten, zu Toten und Verletzten. Im Hörsaal "Islamophobie und Lügenpresse" sprechen wir über den Terror, die Ängste der Muslime und die Rolle der Medien.

Für die Deutsch-Iranerin Naika Foroutan sind Abbildungen des Propheten kein Problem. Sie ist in ihrer Glaubensrichtung des Islam mit religiösen Bildnissen groß geworden. Foroutan ist Sozialwissenschaftlerin und stellvertretende Direktorin des Berliner "Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung". Als Forscherin in den Themenbereichen Migration, Integration und Islambilder vertritt sie die Ansicht, die Muslime in Deutschland hätten in den vergangenen Jahren viel für ihre Integration getan. Der islamistische Terrorismus müsse davon getrennt bewertet werden.

"Muslimisch sein ist extrem vielfältig. Ich glaube, das kommt erst jetzt zunehmend ins Bewusstsein der Bevölkerung, die sich derzeit stark damit auseinandersetzt und versucht zwischen Islam und Islamismus zu differenzieren."

Stephan Detjen, Chefkorrespondent des Deutschlandradios, weist hingegen darauf hin, dass man nicht vollkommen ausblenden kann, dass sich die Attentäter von Paris auf den Islam und den Koran berufen. Er sieht noch großen Nachholbedarf innerhalb des Islam, um ein besseres Verständnis in der europäischen und deutschen Bevölkerung zu erreichen.

"Ich glaube, dass es für eine Gesellschaft wichtig ist, sich mit theologischen Konzepten auseinanderzusetzen und zu erkennen, dass der Islam etwas Anderes ist und war als das, was heute im Zeichen des Salafismus und Dschihadismus aus dem Islam gemacht wird."

Hatice Durmaz, Präsidentin des Rates muslimischer Studierender und Akademiker, bekennt sich nach den Ereignissen von Paris und Belgien offen zu ihrer Angst, dass der Terror in Europa noch lange nicht vorbei sein könnte. Sie will ihre Arbeit an den Hochschulen noch stärker als bisher für die Aufklärung nutzen.

"Da muss es zu einem Wandel kommen, zum Paradigmenwechsel, zum "Zur-Seite-Legen" von Vorurteilen und zur Akzeptanz der muslimischen Bürger in der Gesellschaft. Da muss sich in den Köpfen noch einiges ändern."

DRadio Wissen hat aus aktuellem Anlass unter der Leitung des Hörsaal-Redakteurs Hans-Jürgen Bartsch zu der Expertendiskussion eingeladen, um verschiedene Sichtweisen nach den jüngsten Ereignissen von Paris und Belgien aufzuzeigen.

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