Das amerikanische Startup OpenAI hat mit seinem Chatbot "ChatGPT" einen weltweiten Hype ausgelöst. Jetzt ist es der KI offenbar gelungen, den Vertrag mit einem Internetanbieter erfolgreich neu zu verhandeln.

Künstliche Intelligenz wird immer wichtiger. Der Chatbot "ChatGPT" der Firma OpenAI stellt gerade Rekorde auf: In nur fünf Tagen registrierten sich mehr als eine Million Nutzer*innen, um den Bot nach Gedichten, Kochrezepten, Rapsongs oder Ratschlägen bei Liebeskummer zu befragen.

OpenAI wurde 2015 gegründet, Investoren waren unter anderem Elon Musk und Microsoft. ChatGPT ist eine besonders trainierte Künstliche Intelligenz, ein neuronales Netz, das bei seinen Antworten die Neuronen im menschlichen Nervensystem imitiert, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin Martina Schulte. Die Entwickler*innen haben die KI mit sehr, sehr vielen Texten gefüttert und trainiert.

"ChatGPT ist ein neuronales Netz – es imitiert bei seinen Antworten die Neuronen im menschlichen Nervensystem."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Unsere Netzreporterin hat das Ergebnis getestet und sich über ein Chatfenster mit ChatGPT unterhalten. Befragt nach den drei wichtigsten Punkten, die in einem Radiobeitrag über ihn erwähnt werden sollten, hat die KI in korrektem Deutsch geantwortet, dass er "menschenähnliche Konversationen" führen und auf Fragen auf natürliche Weise reagieren kann.

Außerdem könne er komplexe Fachfragen beantworten und kreative Ideen generieren. Und immer wieder lernen, seine Fähigkeiten zu verbessern. Das Ganze war zwar nicht besonders spritzig formuliert, aber verständlich und inhaltlich richtig, berichtet Martina Schulte.

ChatGPT als knallharter Verhandler

Diese Fähigkeiten des Superchatbots hat eine US-Firma jetzt dazu genutzt, um günstigere Vertragsbedingungen für einen Internetvertrag auszuhandeln: In einem bei Twitter geposteten Video sieht man ChatGPT zunächst beim Echtzeitchat mit dem Kundensupport-Chatbot eines Internetanbieters. Die beiden KIs begrüßen sich und klären worum es geht, anschließend übernimmt beim Internetanbieter ein menschlicher Angestellter die Kommunikation – und der bekommt es mit einem knallharten Verhandler zu tun.

Wie das Techblog T3N berichtet, hat der Chatbot am Anfang einen längeren Text abgesetzt, in dem er sich darüber beschwert, dass es in der letzten Zeit mehrere Internetausfälle gab. Deshalb habe er nicht vernünftig arbeiten können. Es folgt der Hinweis, dass es in ähnlichen Situationen bereits erfolgreiche Verbraucherklagen gegen die Internetfirma gegeben hat.

Trotzdem sei er bereit – zu einem niedrigeren Preis und bei gleichen Leistungen – bei der Firma zu bleiben. Wenn man sich nicht einigen könne, sehe er sich aber leider gezwungen, rechtliche Schritte einzuleiten. Am Ende des Gesprächs hat ChatGPT einen um zehn Dollar pro Monat günstigeren Vertrag herausgeholt.

"Am Ende handelt ChatGPT einen um zehn Dollar pro Monat günstigeren Vertrag aus."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Einige Hochschulen machen sich jetzt bereits Gedanken, welchen Wert Hausarbeiten oder sogar Bachelor- und Masterarbeiten künftig überhaupt noch haben, wie die Nachrichten-Site heise schreibt. Oder Aufsätze in der Schule. Und wozu brauchen wir eigentlich noch Google, wenn ein Superchatbot Quellen aus dem Netz recherchieren, komplexe Fragen beantworten und grammatikalisch und inhaltlich korrekte Texte erstellen kann? Und dazu noch programmieren, Lieder komponieren, designen und malen.

Großer Hype, aber noch viel zu tun

Vielleicht machen auch den Job der Radiomoderator*innen und Autor*innen irgendwann Chatbots. Bis es soweit ist, haben die Entwickler*innen aber noch einiges zu tun, sagt Martina Schulte.

"Es ist, als würde man sich mit einem Wikipedia-Artikel unterhalten. Und ChatGPT hat echt keinen Humor."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Ein bisschen sei das Ganze auch überhyped, findet unsere Netzreporterin. ChatGPT sei zwar schlau, aber auch entsetzlich langweilig. Was ihm noch fehle – und das dürfte besonders schwer zu programmieren sein – seien Esprit und Humor. Ein bisschen sei das so, als würde man sich mit einem Wikipedia-Artikel unterhalten. Und bei allem gespeicherten Wissen mache der Superchatbot viele Fehler. Noch jedenfalls.

Gigantischer Datenspeicher

Auf Twitter sprechen viele Leute von einem historischen Moment, ähnlich der Erfindung der Elektrizität. Dabei ist die Entwicklung im Prinzip kein wissenschaftlicher Durchbruch, findet unsere Netzreporterin. ChatGPT sei lediglich besonders leistungsstark und zeige, wie wichtig die Menge der verfügbaren Daten und die Rechnerleistung für einen Chatbot sind. In dem Superchatbot sollen unter anderem die Online-Enzyklopädie Wikipedia sowie das komplette Software-Entwicklernetz Github stecken.

  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin