Der Trend um gesunde Ernährung boomt. Trotzdem landen wir nach der Party in einem Fast-Food-Imbiss und praktizieren sogenannte Cheat Days. Ernährungswissenschaftler Frédéric Letzner sagt: Das Problem liegt vor allem an der Masse.

Wir wissen alle ungefähr, was man für eine ausgewogene Ernährung braucht. Trotzdem können wir Fast Food oft nicht widerstehen - obwohl wir von Massentierhaltung, Klimawandel und Zuckersucht wissen.

Cheat Days – die Kompensation von Fast-Food-Gelüsten

Da passen Cheat Days, sprich der fast schon eskalierende Genuss von Fast Food, perfekt zur Essens-Mentalität. Das hält Frédéric Letzner für ein Problem, das aus unserem komplizierten Verhältnis zu Essen entstanden ist.

Der Ernährungswissenschaftler kritisiert, dass bei den Schummel-Tagen in Videos und Berichten oft das Motto "Hauptsache extrem" mitschwingt. Das könnte durchaus in einer Essstörung enden, warnt Frédéric.

"Die Assoziation 'gesund' ist nicht besonders sexy."
Frédéric Letzner, Ernährungswissenschaftler

Der 31-Jährige glaubt auch, dass gesundes Essen nicht der Gesundheit wegen trendy ist, sondern dass es dabei ums Aussehen geht. "Was häufig gemacht wird, ist, dass Ästhetik gleichgesetzt wird mit Gesundheit", sagt Frédéric Letzner.

Gleichzeitig entsteht laut dem Ernährungswissenschaftler ein Schwarz-Weiß-Denken, wenn wir Essen in die Kategorien ungesund und gesund unterteilen. "Ich finde es sehr gesund, mit gutem Gewissen auch unvernünftige Dinge genießen zu können", betont Frédéric.

Es käme eher auf die Menge an: Dinge, die wir im Übermaß essen, finden wir meist nicht mehr so verlockend, während selten Gegessenes zum Genuss wird, so Frédéric.

Mehr Genuss, weniger Exzess

Zwar glaubt Frédéric Letzner, dass man den Ruf von gesundem Essen langfristig verbessern könnte – aber "wenn wir Dinge als schlecht deklarieren, macht sie das durchaus attraktiv." Unser Essensverhalten wird also eher bestimmt vom schlechten Ruf des Fast Foods als vom mittelguten Image der gesunden Ernährung.

"Menschen wollen auch mal unvernünftig sein und auch mal genau das haben, was verboten ist."
Frédéric Letzner, Ernährungswissenschaftler

Für eine ausgewogene Ernährung hat Frédéric folgenden, relativ simplen Tipp: Guck, worauf du Lust hast und übertreibe dabei nicht. Sich steif an einen Gesundheitsplan zu halten sei meistens nicht nützlich – besonders für unsere Psyche.