In vielen Produkten werden Substanzen eingesetzt, die bedenklich sein können für unsere Gesundheit und die Umwelt. Die EU will sie loswerden. Doch das geht nicht überall.

Kosmetik, Duschgel, Waschmittel, Textilien – in vielen Alltagsprodukten stecken Chemikalien, die zwar eine nützliche Funktion erfüllen, oft aber auch umwelt- und gesundheitsschädlich sein können. Akut giftig sind sie in der Regel aber nicht.

Manche Stoffe können zum Beispiel das Hormonsystem und damit die Fruchtbarkeit stören. Andere schädigen potenziell Immunsystem und Atemwege, wieder andere reichern sich über lange Zeit im Körper und in der Umwelt an – sogenannte Forever Chemicals.

Manche Substanzen sind alleine nicht schädlich, zusammen mit anderen Stoffen aber schon, bei diesem Phänomen ist auch vom Cocktail-Effekt die Rede.

Ziel: Umwelt ohne Gift

Die Europäische Kommission will solche Chemikalien und teilweise ganze Substanzgruppen jetzt loswerden, es sei denn, sie seien für das Allgemeinwohl nachweislich unverzichtbar.

Mit ihrer Chemikalien-Strategie will sie nach eigener Aussage die Verwendung aller Chemikalien sicherer machen und langfristige negative Folgen vermeiden. Am Ende soll eine ″Umwelt ohne Gift″ stehen.

Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans sagt: ″Chemikalien machen es möglich, innovative Lösungen für eine grünere Wirtschaft zu entwickeln. Aber wir müssen sicherstellen, dass sie so produziert und genutzt werden, dass sie der menschlichen Gesundheit und der Umwelt nicht schaden.″

″In vielen Produkten kann man auf bedenkliche Stoffe verzichten. In manchen Medizinprodukten zum Beispiel kommt man ohne sie aber nicht aus. Da werden Alternativen benötigt.″
Andrea Hoferichter, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Für Gesundheit und Umwelt bedenklich Stoffe zu ersetzen, ist auf mehreren Wegen möglich:

Oft können sie durch andere, weniger bedenkliche Stoffe ersetzt werden, die dieselbe Funktion erfüllen. Vor vielen Jahren wurden zum Beispiel die Ozonschicht zerstörenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) weitestgehend durch unkritische Stoffe ersetzt, ohne dass praktische Nachteile entstanden wären: Kühlschränke und Spraydosen funktionieren immer noch.

Das ist ein wichtiger Punkt der EU-Strategie, die auch auf die Neuentwicklung von Chemikalien setzt, die von der Produktion über die Nutzung bis zur Entsorgung keinen Schaden anrichten. Dafür will sie zusammen mit der Industrie Kriterien entwickeln. Es soll auch Finanzhilfen geben.

Eine andere Möglichkeit ist, auf gewisse Stoffe einfach zu verzichten. Das ist gegebenenfalls mit Einbußen verbunden, zum Beispiel dass eine Pfanne nicht mehr ganz so gute Anti-Haft-Eigenschaften hat oder dass ein Produkt teurer wird. In manchen Medizin-Produkten sind gewisse Stoffe aber unersetzlich. Einzige Möglichkeit: Unbedenkliche Alternativen finden, die denselben Zweck erfüllen.

Bisphenol A ist ″besonders besorgniserregend″

In manchen Fällen werden Stoffe auch einfach deshalb eingesetzt, weil es gängige Praxis ist, die Industrieprozesse darauf eingestellt sind und sie (noch) nicht verboten sind. Der Stoff Bisphenol A zum Beispiel wurde verboten, jetzt kommen andere Bisphenole zum Einsatz, die sehr ähnlich und noch erlaubt sind. Die EU hatte die Chemikalie Bisphenol A wegen ihrer hormonellen Wirkungen auf Tiere in der Umwelt als ″besonders besorgniserregend″ eingestuft.

Die Chemikalien-Strategie ist eine Leitlinie. Bis konkrete Gesetze verabschiedet werden, kann es noch einige Jahre dauern.