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Bei der Weltnaturkonferenz COP15 in China wird derzeit verhandelt, wie wir den Artenschutz voranbringen können. Dafür ist es höchste Zeit. Jule Reimer aus der Deutschlandfunk-Umweltredaktion erklärt weshalb.

Im chinesischen Kunming beginnt heute die 15. UN-Biodiversitätskonferenz (COP15). Das Ziel: dem Verlust von Tierarten und der Zerstörung von Ökosystemen Einhalt gebieten. Und die Zeit dafür drängt: Eine Million Arten sind, so Wissenschaftler, bis 2030 vom Aussterben bedroht. "In diesem rasenden Tempo und Ausmaß gab es das noch nie in der Erdgeschichte", sagt Jule Reimer aus der Dlf-Umweltredaktion. Zum Vergleich: Das Aussterben der Dinosaurier zog sich über Millionen Jahre hin.

"Die Artenvielfalt ist eben – neben Wasser, Luft und Boden – zentrale Ressource unserer Existenz."
Jule Reimer, Dlf-Umweltredaktion

Jule Reimer erklärt: "Arten sind immer Teile von Ökosystemen, also sie hängen zusammen. Entweder weil sie sich gegenseitig fressen oder weil sie sich in Schach halten." Artenvielfalt ist ein Unterbegriff der Biodiversität. Gemeint ist damit die genetische Vielfalt der Ökosysteme und Landschaften.

Diese Vielfalt ist eine Art Lebensversicherung, erklärt die Umweltjournalistin: "Denn je vielfältiger ein Genpool einer Pflanzenart ist, desto anpassungsfähiger ist dann diese Art an Veränderungen, etwa an Krankheiten. Also es ist immer besser, alte Apfelsorten zu bewahren, und nicht nur die vier, die es im Supermarkt gibt."

Die Meersschildkröte und Quallenplagen

Am Beispiel der Meeresschildkröte lasse sich das Artensterben gut verdeutlichen: Meeresschildkröten werden seit Jahrhunderten wegen ihres Fleischs, ihrer Eier oder wegen ihrer Panzer gejagt. Und das hat Folgen für uns. Denn die Meeresschildkröte ernährt sich von Quallen.

Das Problem ist, dass Quallen derzeit von uns Menschen quasi gemästet werden. Sie gedeihen besonders gut, weil so viele Nährstoffe im Meer landen – zum Beispiel über Gülle oder Abwässer. Diese Nährstoffe fördern das Wachstum von Plankton – Futter für die Quallen. Gleichzeitig haben Menschen durch Überfischung oder auch durch das Jagen der Meeresschildkröte viele natürliche Fressfeinde der Quallen im Meer dezimiert. Und so kommt es zu massenhaften Quallenvorkommen.

"Das Ergebnis sind Quallenplagen. Das finden wir als Strandurlauber überhaupt nicht lustig."
Jule Reimer, Dlf-Umweltredaktion

Ein anderes Beispiel für Artenvielfalt und dafür, wie Menschen sie durcheinander bringen, ist die Ackerkratzdistel. Deren kleine lilafarbene Blütenkörbchen sind "eine wichtige Nektarquelle für Schmetterlinge wie der Hauhechel-Bläuling oder auch für Wildbienen", erklärt Jule Reimer. Landwirte, die konventionell wirtschaften, mögen diese Pflanze überhaupt nicht. Sie dürfen sie mit Glyphosat-haltigen Herbiziden bekämpfen. Und die wirken auch gegen andere Pflanzen.

"Dadurch werden andere Pflanzen, die vielleicht wichtig sind, auch noch plattgemacht."
Jule Reimer, Dlf-Umweltredaktion

Und auch Insekten sind durch Gifte auf Feldern aber auch durch Lichtverschmutzung stark betroffen. In Deutschland ist in den vergangenen 30 Jahren der Bestand an fliegenden Insekten um zwei Drittel zurückgegangen. Und das wirkt sich wiederum auch auf die Vogelwelt aus, weil Insekten eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vögel sind.

Zu Beginn der UN-Biodiversitätskonferenz in China wird es nun zunächst darum gehen, klar zu machen, dass es wirklich dramatisch steht um den Bestand der Arten. In einem zweiten Teil, der im kommenden Jahr April stattfindet, soll dann am Ende eine Selbstverpflichtung der Staaten stehen, wie wir Menschen bis 2050 ein Leben im Einklang mit der Natur führen können.