In China breitet sich eine neue Art des Coronavirus aus. Ausgangspunkt ist ein Fischmarkt in der ostchinesische Stadt Wuhan. Inzwischen gibt es erste Todesopfer, auch in Südkorea ist eine Frau gestorben. Mit einer weltweiten Epidemie wird nicht gerechnet.

In China breitet sich seit Mitte Dezember 2019 der Erreger Sars 2019-nCoV aus. Dieses Coronavirus kann eine schwere Lungenentzündung auslösen und ist in der ostchinesischen 11-Millionen-Einwohner-Stadt Wuhan erstmals aufgetreten.

Staatliche Stellen geben die Zahl der Infizierten mit 201 an. Damit hat sich die offizielle Zahl bestätigter Erkrankter innerhalb weniger Tage deutlich erhöht. Von den 198 Patienten in der Stadt sind bis Stand 20. Januar drei gestorben, 25 gelten als geheilt, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Amelie Fröhlich.

"Je nach Typ können die Coronaviren harmlose Erkältungen oder gefährlich Lungenkrankheiten auslösen."
Amelie Fröhlich, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auch in anderen Landesteilen und außerhalb Chinas sind nun Fälle aufgetreten. In Peking sind zwei Menschen und in Südchina ist eine Persona erkrankt. Alle drei waren vorher in Wuhan. Das Virus soll sich von dem dortigen Huanan-Fischmarkt aus verbreitet haben. Dort wird auch mit lebenden Tieren gehandelt.

Erstes Coronavirus-Opfer in Südkorea

Einen bestätigten Fall gibt es in Südkorea. Es handelt sich um eine 35-jährige Chinesin. Sie ist kurz vorher aus Wuhan eingereist und hat Symptome wie Fieber und Atemprobleme gezeigt. Auch in Thailand sind zwei Infektionen bestätigt, in Japan ist bei einer Person das Virus nachgewiesen worden. Alle Infizierten haben sich zuvor in Wuhan aufgehalten.

Die Erkrankung kann tödlich verlaufen. Die chinesischen Behörden haben bestätigt, dass inzwischen drei Menschen an der Viruserkrankung gestorben sind. Je nach Typ können die Coronaviren harmlose Erkältungen oder gefährlich Lungenkrankheiten auslösen.

Übertragung von Mensch zu Mensch möglich

Zum Zeitpunkt unserer Sendung am 20. Januar um 11.30 Uhr war noch unklar, ob sich die Krankheit auch von Mensch zu Mensch überträgt. Für diesen Übertragungsweg hat es aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation keine Beweise gegeben. Eine Reisewarnung hat sie bisher nicht ausgesprochen. Im Verlauf des Tages hat die chinesische Regierung bestätigt, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen wurde.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat es bis dahin für wahrscheinlich gehalten, dass 2019-nCoV begrenzt auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Auch britische Forschende des Zentrums für die Analyse globaler Infektionskrankheiten am Imperial College in London haben diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Sie gehen von mehr als 1700 Infizierten aus. Ihre Schätzung begründen die Forschenden auch damit, dass das Virus bereits im Ausland aufgetreten ist. Das lasse den Schluss zu, dass es weitaus mehr Fälle gebe als bisher gemeldet.

"Gesundheitsexperten halten den Ausbruch für kontrollierbar."
Amelie Fröhlich, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Das Robert-Koch-Institut hält das Gesundheitsrisiko für Menschen in Deutschland zurzeit für sehr gering. Einige Nachbarländer Chinas haben Temperaturkontrollen bei der Einreise aus China eingeführt – unser Bild zeigt Kontrollen in Wuhan. Die Gefahr der Übertragung nimmt in dieser Woche deswegen zu, weil rund 1,4 Milliarden Menschen in den kommenden Tagen wegen des chinesischen Neujahrsfestes am 25. Januar durchs Land reisen.

Vergleichbare Viren: Sars und Mers

Auch das Sars-Virus gehört zur Gruppe der Coronaviren. Es ist dem neuen Erreger Sars 2019-nCoV sehr ähnlich. Sars steht für Schweres Akutes Atemwegs-Syndrom. In den Jahren 2002 und 2003 hatte es weltweit rund 8000 Fälle gegeben. Der Ursprung war auch in China. Knapp 800 Erkrankte sind damals gestorben. Der Sars-Ausbruch war zuerst vertuscht worden. Das begünstigte die schnellere und weitere Verbreitung der Krankheit.

Und auch das Mers-Virus ist ein Coronavirus - so wie Sars und die neuartige Lungenkrankheit. Mers war 2012 zum ersten Mal auf der arabischen Halbinsel nachgewiesen worden. Laut Weltgesundheitsorganisation gab es rund 2500 bestätigte Fälle – rund 800 verliefen tödlich, vor allem in Saudi-Arabien. Dromedare gelten hier als wichtigste Ansteckungsquelle.