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Die #BlackLivesMatter- Proteste wurden wesentlich von schwarzen Frauen organisiert, aber schwarz-feministische Kritik hat eine lange Tradition. In ihrem Vortrag gibt Vanessa Thompson eine Einführung in die Geschichte des schwarzen Feminismus – vom Widerstand gegen die Sklaverei bis zur transnationalen Vernetzung schwarzer feministischer Bewegungen heute.

Unter #BlackLivesMatter gingen vergangenen Sommer weltweit Millionen Menschen auf die Straße. Anstoß für die Proteste war der Tod von George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz in den USA. Doch auch Frauen sind regelmäßig Opfer von rassistischer Polizeigewalt, ihre Namen hören wir jedoch kaum in den Medien. Unter dem Hashtag #sayhername kritisieren schwarze Feministinnen, dass weibliche Opfer von Polizeigewalt so wenig Aufmerksamkeit bekommen. Doch schwarz-feministische Kritik ist nicht neu. Sie reicht zurück bis in die Zeit der Sklaverei, sagt Vanessa Eileen Thompson. Sie ist Rassismusforscherin an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

"Schwarz-feministische Kritik nimmt die gelebten Erfahrungen von Diskriminierung und Gewalt als Ausgangspunkt für die Analyse und Kritik von gesellschaftlichen Verhältnissen und ihren Widersprüchen."

So kritisierte bereits 1871 die schwarze Feministin Sojourner Truth in ihrer Rede "Ain't I A Woman?", dass der Feminismus schwarze Frauen ausschloss. Die schwarze Feministin Angela Davis analysierte die Rolle der Schwarzen Frauen in der Sklavencommunity. Schwarzen Frauen wurde die Weiblichkeit aberkannt, sie mussten genauso hart arbeiten wie Männer, erklärt Vanessa Thompson in ihrem Vortrag. Gleichzeitig seien sie häufig Opfer sexualisierter Gewalt gewesen.

Die Räume schwarzer feministischer Kritik waren jedoch lange in erster Linie nicht die Universitäten, erklärt Vanessa Thompson. Schwarze feministische Theorie und Praxis habe in den Küchen stattgefunden, in den Community-Zentren und in den Umkleidekabinen der kleinen Jazz- und Blues-Bars. Und so sei auch die Verschränkung verschiedener Diskriminierungen stets Teil schwarz-feministischer Kritik gewesen. Was wir heute unter Intersektionalität verstehen, wurde von schwarzen Feministinnen bereits im 19. Jahrhundert beschrieben, sagt die Kulturanthropologin. Den Begriff prägte schließlich 1989 die US-amerikanische Juristin Kimberlé Crenshaw.

"Intersektionalität bedeutet, dass Gender, 'Rasse' und Klasse nicht als distinkte Kategorien konzeptualisiert, sondern in ihrer Verschränkung und Wechselwirkung mit Bezug auf die Verhältnisse, die sie produzieren, gedacht werden."

Die Black Lives Matter-Proteste haben die transnationale Vernetzung schwarzer feministischer Bewegungen intensiviert, erklärt Vanessa Thompson in ihrem Vortrag. Es sei jedoch keine neue Bewegung entstanden, vielmehr hätten bestehende Aktivistinnen #BlackLivesMatter aufgenommen und auf ihre jeweiligen lokalen Kontexte übertragen. Kämpfe für schwarze Leben können beispielsweise auch das Engagement gegen Landnahme und Umweltrassismus in Afrika sein, sagt Vanessa Thompson.

Vanessa Eileen Thompsons Vortrag heißt "From Critiques of Strange Fruit to Roses that Grow from Concrete. Transnationale Artikulationen Schwarz-feministischer Kritik". Sie hat ihn am 3. Februar 2021 im Rahmen der Ringvorlesung von Viadrina-Lehrenden der Gender Studies und Queer Theorie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) gehalten.