Wer keine Verwandtschaft hat, die Blut spenden kann, der muss in China schon mal eine notwendiger Operation verschieben, bis das Krankenhaus wieder mit ausreichend Blutkonserven versorgt ist.

Die Spendenbereitschaft in der Volksrepublik ist extrem niedrig. Weniger als 1 Prozent der Bevölkerung ist bereit, regelmäßig Blut zu spenden. "Das ist deutlich unter der Rate, die die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt", sagt unsere China-Korrespondentin Ruth Kirchner.

"In den Sommerferien gibt es immer Berichte, dass es Engpässe gibt bei den Blutkonserven, weil dann nämlich die Universitäten geschlossen sind."
Ruth Kirchner, China-Korrespondentin

Warum ist die Blutspendenbereitschaft so gering? Chinesen glauben traditionell, dass ihre Körper auf Dauer durch das Blutspenden geschwächt werde. Hinzu kommt ihr geringes Vertrauen in das chinesische Gesundheitswesen und in das chinesische Rote Kreuz, das als korrupt gilt. 2004 wurde bekannt, dass sich 25.000 Menschen in der Provinz Henan beim Blutspenden mit HIV infizierten. "Seit dem ist dieser Bluthandel, das Verkaufen von Spenderblut eigentlich verboten", sagt Ruth Krichner

Zum Spenden gezwungen

Nach Katastrophen werden meist Blutspendeaktionen durchgeführt, um den hohen Bedarf an Blutkonserven zu decken. Vor allem junge Chinesen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren spenden ihr Blut. Gezielt werden an Universitäten Studenten zum Blutspenden aufgefordert. Das geschieht meist innerhalb der Kurse, so dass der Gruppenzwang so stark ist, dass sich keiner entziehen kann.

"Es soll auch in der Vergangenheit Fälle gegeben haben, in denen Studenten mehr oder weniger sanft zum Spenden gezwungen wurden."
Ruth Kirchner, China-Korrespondentin

Mitte August meldete die Nachrichtenagentur AFP, dass eine chinesische Bande Kinder zum Blutspenden gezwungen habe. Ruth Kirchner bestätigt, dass es immer wieder Berichte in den Medien über solche kriminellen Machenschaften gäbe.

"Leider gibt es einen ganz großen Graubereich, einen Schwarzmarkt: Rund um die Krankenhäuser treiben sich sogenannte Bluthändler rum."
Ruth Kirchner, China-Korrespondentin

Aufgrund der Engpässe bei Blutkonserven bieten sich "Bluthändler" vor den Krankenhäusern an. Wer selbst keine Möglichkeit hat, sich über Blutspenden von Verwandten selbst Blutkonserven für eine Operation zu besorgen, kauft sich bei den Händlern Blutspender ein - für viel Geld. Der gekaufte Spender wird dann im Krankenhaus als Verwandter ausgegeben. Das Krankenhaus kann nicht nachprüfen, ob es sich um einen echten Verwandten oder gekauften handelt. Ein florierendes Geschäft für die Händler bei anhaltend knappem Blutkonservenangebot - der Schwarzmarkt mit Blutspendern blüht.