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China will nach Berichten der BBC mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) muslimische Minderheiten wie die Uiguren stärker überwachen. Die Software soll Gefühle erkennen.

Die chinesische Regierung soll Hunderttausende Uiguren und Angehörige anderer muslimischer Minderheiten in Umerziehungslagern festhalten. Die Regierung in Peking bezeichnet sie als "Berufsbildungszentren". Laut einem Bericht der BBC testet die Regierung dort eine KI, mit der die Gefühle der Lagerinsassen erfasst und analysiert werden.

Mutmaßliche Menschenversuche

Dazu zitiert die BBC den Software-Ingenieur einer chinesischen Firma, der laut eigener Aussage beauftragt wurde, das Gefühlserkennungsprogramm in Polizeistationen in Xinjiang zu installieren. Dort würden Menschen während des Verhörs an einen Stuhl festgeschnallt und aus drei Meter Entfernung gefilmt.

Im Anschluss würde die Software ein Diagramm erstellen, das die Gefühle der Person abbilden könne und zum Beispiel anzeigt, wie ängstlich sie ist. Das System solle selbst kleinste Veränderungen im Gesichtsausdruck erkennen und analysieren können.

"Die Menschen würden benutzt wie Ratten in einem Versuchslabor."
Ruth Kirchner, ARD-Korrespondentin für China

Die Gefühlserkennungssoftware funktioniert wie ein Lügendetektor, der mit KI arbeitet. Es ist eine Technologie, die stark umstritten ist. Viele Expertinnen und Experten halten es für nahezu unmöglich, menschliche Gefühle von einem Algorithmus erkennen zu lassen.

Abgesehen davon ist zweifelhaft, wie objektiv ein Algorithmus sein kann, der von Menschen programmiert ist. Stereotype und Diskriminierung sind in bei Technologien wie dieser oft ein Problem. Auch ist fraglich, wie Gefühle wie Angst, Wut oder Zufriedenheit für die Gefühlserkennungssoftware definiert werden.

Mehr Überwachungstechnologie

Dass China Technologien wie diese einsetzt, ist bekannt. In der Vergangenheit wurde eine ähnliche Software schon in Schulen getestet, um zu überprüfen, ob Schülerinnen und Schüler im Unterricht aufpassen, erklärt Ruth Kirchner.

Laut dem Guardian würden rund 300 Gefängnisse in China mit solcher Gefühlserkennungssoftware arbeiten. Insgesamt 60.000 Kameras seien dort zu diesem Zwecke installiert. Alleine 27 Tech-Unternehmen sollen die Technologie für China weiter ausbauen. Das fasst die Menschenrechtsorganisation Article 19 in einem Bericht im Januar 2021 zusammen.

"In China wird im Sicherheitsapparat und gerade in Xinjiang alles an Technologie ausprobiert, was möglich ist."
Ruth Kirchner, ARD-Korrespondentin für China

Bislang hat Peking nicht auf den Artikel der BBC reagiert. Auch lassen sich die Aussagen des Software-Ingenieurs nicht überprüfen, aber es passt in das Bild der Umerziehungslager in der Region Xinjiang. Dort setze Peking alles an Überwachungstechnologie ein, was geht, sagt die China-Korrespondentin.