Seit der Taiwan-Reise von US-Demokratin Nancy Pelosi ist die Lage zwischen China und den USA angespannt. China bewertet Pelosis Besuch als Einmischung in politische Entscheidungen, denn für China ist der Inselstaat Taiwan Teil des chinesischen Festlandes. Warum der Konflikt Auswirkungen auf unsere Wirtschaft haben könnte.

Deutschland pflegt enge wirtschaftliche Beziehungen nach China. Viele Komponenten der deutschen Auto-, Kleidungs- oder Werkzeugindustrie werden in dem Kommunistischen Staat produziert. Auch aus Taiwan bezieht Deutschland Mikrocchips, die unter anderem in Computern und Autos eingesetzt werden.

"Wenn Taiwan irgendwann angegriffen werden sollte oder es andere Probleme geben sollte, dann würde auch der Nachschub von Chips aus Taiwan stocken."
Victor Gojdka, ARD-Wirtschaftsjournalist

Nun haben Fachleute des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München (ifo) berechnet, dass Deutschland ein Wirtschaftskrieg mit China sechsmal so viel kosten könnte wie der Brexit.

Abhängigkeit deutscher Firmen von China

Wenn China neben den Militärmanövern Wirtschaftssanktionen gegen Taiwan verhängt, kann das problematisch für Deutschland werden, sagt ARD-Wirtschaftsjournalist Victor Gojdka. Denn rund 20 Prozent des Geldes, das deutsche Großkonzerne erwirtschaften, kommt aus China.

Neben großen Automarken sind aber auch kleinere Firmen, die Teile wie Schrauben oder Mikromaschinen produzieren, auf Kooperation mit China angewiesen. "Kleinere deutsche Firmen hängen genauso stark von bestimmten Teilen aus China ab wie die Großkonzerne Bmw, Volkswagen oder Adidas", so Victor Gojdka.

"Schon nach dem Corona-Ausbruch haben viele gesagt, dass wir sehr viel aus China importieren. Wenn da mal Hafen zu ist, bricht hierzulande die ganze Produktion zusammen."
Victor Gojdka, ARD-Wirtschaftsjournalist

Victor Gojdka zufolge stellt das chinesische Handeln gegenüber Taiwan Unternehmen hierzulande vor folgende Entscheidung: Wo und wie wollen wir zukünftig produzieren? Viele Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren bereits nach Alternativen zu China gesucht. Eine Überlegung sei es, die Produktion zurück nach Europa – oder sogar nach Deutschland – zu holen.

Die Frage: Wer wird mit wem in Zukunft handeln?

Viktor Gojdka kann sich durchaus vorstellen, dass Deutschland sich in Zukunft der Frage des Handelspartners stellen müsse: "Entweder sagt China, dass wir uns zwischen dem Handel mit den USA oder mit China entscheiden müssen oder die Vereinigten Staaten stellen uns diese Frage."

Dementsprechend könnten nennenswerte Geschäfte in einer dieser Weltregionen wegbrechen. Es liegt also an den Konzernen umzusteuern, sich insgesamt breiter aufzustellen und sich unabhängiger von einzelnen Ländern machen.