Einreisende aus China müssen in einigen Ländern wie den USA und Italien einen Coronatest machen. In Deutschland gibt es diese Testpflicht noch nicht.

Die Corona-Pandemie in Deutschland ist in die endemische Phase eingetreten. Das sagten zwei Wissenschaftler unabhängig voneinander. Viele Leute sind geimpft, geboostert oder genesen. Bei einer möglichen Ansteckung sind die Verläufe meist milder als zu Hochzeiten der Pandemie.

In China hingegen gehen die Inzidenzen gerade in die Höhe, seit die Regierung die Null-Covid-Strategie beendet und die Maßnahmen gelockert hat.

In China fehlt eine weitgehende Immunität, und die eigenen Impfstoffe sind nicht so effektiv wie die westlichen, die die Regierung aber nicht zulässt.

Ab 8. Januar 2023 soll außerdem die Quarantäne-Pflicht für Einreisende entfallen. Auch Reisen ins Ausland sind für Chinesinnen und Chinesen wieder möglich.

Testpflicht für Menschen aus China

Darauf reagieren andere Länder – beispielsweise verlangen die USA von aus China Einreisenden Tests. Italien führte als erstes europäisches Land verpflichtende Tests für Menschen ein, die aus China nach Italien kommen. Die Europäische Kommission berät über Einreiseregelungen.

Deutschland zögert, ob es Tests für aus China Einreisende geben soll. Die Vermutung liegt nahe, dass das Risiko durch Einreisende aus China für ein Land wie Deutschland nicht sehr hoch ist, denn der Immunschutz ist hier relativ hoch.

Man habe zurzeit keinen Hinweis darauf, "dass sich in diesem Ausbruchsgeschehen in China eine gefährlichere Mutation entwickelt hat, die Anlass für eine Deklarierung eines Virusvariantengebiets wäre - was ja dann entsprechende Reisebeschränkungen nach sich ziehen würde", sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums.

"Die meisten Menschen in den USA werden gar nicht so schwer erkranken, weil sie geimpft sind oder gerade erst zum zweiten oder dritten Mal Corona hatten."
Julia Demann, Deutschlandfunk-Nova-Wissenschaftsjournalistin

Aus epidemiologischer Sicht wäre eine Quarantänepflicht gegenüber der Testpflicht eine noch sicherere Variante, denn Schnell- und PCR-Tests haben ihre Schwächen. Doch hier stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit, zumal bisher keine neuen Virusvarianten entdeckt wurden.

Sollte das doch passieren, kann politisch darauf reagiert werden.

Reaktionen aus Deutschland

Der Weltärztebund-Präsident Frank Ulrich Montgomery hält es dagegen für richtig, Test- und Quarantänevorschriften bei Grenzübertritten aus China "verpflichtend vorzusehen".

Sepp Müller, stellvertretender Chef der Unionsfraktion im Bundestag, begrüßt eine Testpflicht einzuführen. "Mailand sollte uns eine Mahnung sein", sagte der CDU-Politiker. Am zweiten Weihnachtsfeiertag waren dort zwei Flugzeuge aus China gelandet. Die Hälfte der getesteten Passiere war Corona-positiv getestet.

Manfred Weber aus der Europäischen Volkspartei (EVP) fordert ein europäisches Vorgehen, weil es in einem offenen Europa keinen Sinn ergebe, nur in einem Land eine Testung vorzugeben.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sagte dem Magazin "Der Spiegel", es sei unrealistisch zu glauben, dass ein Ausbruch mit Einreisebeschränkungen oder Testverpflichtungen einzudämmen zu wollen. Viel sinnvoller wäre es – neben dem Impfen – verstärkt auf Maskenpflicht in Innenräumen zu setzen. Und sich gezielt vor Treffen mit Menschen aus Risikogruppen zu testen.

  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Julia Demann, Wissenschaftsjournalistin