Nach Einschätzung der Wissenschaftler Christian Drosten und Christian Karagiannidis geht die Coronapandemie zu Ende – spätestens im Sommer werde sie endemisch. Die Bundesregierung ist sich uneinig, was die Bewertung der Fachleute für das Infektionsschutzgesetz bedeutet.

Nach einer gefühlten Ewigkeit – die ersten Meldungen über Coronainfektionen bei Menschen in Deutschland kamen Anfang 2020 – könnte die Coronapandemie in Deutschland bald überstanden sein. Die Wissenschaftler Christian Drosten und Christian Karagiannidis gaben unabhängig voneinander bekannt, dass die Pandemie ausläuft.

Christian Drosten sagte in einem Interview mit dem Tagesspiegel, er rechnet damit, dass die Pandemie in diesem Winter ausläuft. Demnach sei das Coronavirus – ähnlich wie das Grippevirus – endemisch geworden, so der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte auch der Intensivmediziner Christian Karagiannidis, dass die Pandemie nach dem Winter beendet sein werde. Wenn ein Virus endemisch wird, bedeutet das, dass die Immunität innerhalb der Bevölkerung so hoch ist, dass das Virus nicht mehr so einfach durchkommt.

"Das Coronavirus sei – ähnlich wie das Grippevirus – endemisch geworden, sagt Christian Drosten."
Ann-Kathrin Büüsker, Korrespondentin im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio

Uneinigkeit in der Ampel-Koalition

Inzwischen sind ausreichend Menschen geimpft und oder waren mit dem Virus infiziert. Bei vielen Menschen ist der Immunschutz des Körpers dadurch inzwischen so stark, dass Experten deutlich weniger schwere Corona-Verläufe erwarten. Ann-Kathrin Büüsker sagt, dass das Coronavirus nun ähnlich wie das Grippevirus sei: "Die Grippe bekommen wir ja alle immer mal wieder. Die kann durchaus auch mal schwer verlaufen, aber unsere Immunsysteme kennen sie eben. Sie ist endemisch."

Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, sagt, dass die Zahl der schweren Fälle immer weiter abnimmt. Die Immunitätslage in der Bevölkerung sei solide.

"Viele in der FDP setzen sich schon seit Monaten für ein Ende der Maskenpflicht in Bussen und Bahnen ein."
Ann-Kathrin Büüsker, Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio

Nach der Beurteilung der Lage von den Experten, machte sich Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) per Twitter dafür stark, die letzten Coronaschutzmaßnahmen zu beenden. Eine Änderung des Infektionschutzgesetzes fordern viele Politiker*innen der Freien Demokraten.

"Viele in der FDP setzen sich ja auch schon seit Monaten für ein Ende der Maskenpflicht in Bussen und Bahnen ein. Entsprechend haben gerade viele – auch aus der Landespolitik – diese Drosten-Meldung aufgegriffen. FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki erwartet, dass sich die Koalitionspartner schnell zusammensetzen", sagt Hauptstadtkorrespondentin Ann-Kathrin Büüsker.

Die Grünen sind zurückhaltend

Die Grünen sind ein wenig zurückhaltender, was ein mögliches Ende der Coronaschutzmaßnahmen betrifft. Der Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen (Grüne) rät für diesen Winter noch zur Vorsicht angesichts der Tatsache, dass die Infektionszahlen noch immer hoch sind. Ann-Kathrin erinnert daran, dass es gerade auch noch andere Krankheiten gibt, die für eine Überlastung des Gesundheitssystems sorgen – zum Beispiel Grippe oder Respiratorisches-Synzytial-Virus (RSV).

"Der Apell vom Grünenpolitiker Janosch Dahmen ist angesichts der nach wie vor hohen Infektionszahlen, dass wir in Innenräumen Masken tragen sollen, die Handhygiene einhalten und regelmäßig lüften", sagt Ann-Kathrin Büüsker.

  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartnerin:  Ann-Kathrin Büüsker, Korrespondentin im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio