Chlorophyll ist der Stoff, der Pflanzen grün macht und ihnen bei der Fotosynthese hilft. Aktuell erlebt er auf Social-Media-Plattformen einen Hype. Die positiven Effekte scheinen aber eher subjektiv zu sein, wissenschaftliche Belege gibt es kaum.

Der natürliche Farbstoff Chlorophyll erlebt einen Trend und wird als grünes Wundermittel vermarktet. Allein auf Tiktok hat der Hashtag "Chlorophyllwater" über 100 Millionen Aufrufe.

Als Nahrungsergänzungsmittel kommt der extrahierte Stoff – in Deutschland oft in Form von Weizengras – auf den Markt. Das konzentrierte Chlorophyll gibt es dann als Tropfen oder Tabletten zu kaufen.

Ein Glas Wasser täglich mit dem aufgelösten Chlorophyll soll die Haut reiner machen, das Immunsystem stärken, Körper- und Mundgeruch beseitigen und sogar Krebs vorbeugen, werben Hersteller in ihren Produktbeschreibungen.

Wirksamkeit: Kaum wissenschaftliche Belege

Laut Michaela Axt-Gadermann, Dermatologin und Professorin für Integrative Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg, hat Chlorophyll zwar eine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung. Es kann deshalb tatsächlich gegen Hautunreinheiten und Akne helfen, wenn es von außen auf die Haut aufgetragen wird.

Dafür, dass dies auch geschieht, wenn Chlorophyll oral eingenommen wird, konnten wir keine Belege finden.

Vor 70 Jahren gab es schon Mundwässer, die mit Chlorophyll versetzt waren. Es wurde aber nie geforscht, welche Wirkung das für die Mundflora hat. Nicht mal gibt es eine schlüssige Erklärung dafür, warum der Stoff überhaupt wirken sollte, berichtet das Redaktionsteam von Medizin-Transparent.at, welches wissenschaftlichen Belege für solche Gesundheitsbehauptungen überprüft.

Positive Gesundheitsaspekte sehr gering

Auch für die positiven Gesundheitseffekte gibt es bisher keine aussagekräftigen Studien. Chlorophyll scheint zwar die Produktion roter Blutkörperchen anzuregen.

Des Weiteren gibt es erste Daten, die nahelegen, dass Chlorophyll sich positiv auf die Darmflora auswirkt, Gewichtsreduktion unterstützen kann und das Krebsrisiko senkt – allerdings alles nur in sehr geringem Maße. Diese Effekte sind bisher nur im Tier- oder Zellversuch nachgewiesen worden. Die Ergebnisse können nicht direkt auf den Menschen übertragen werden.

Finger weg vom Chlorophyllwasser?

Die Dermatologin Michaela Axt-Gadermann warnt vor hochkonzentriertem Chlorophyll, das könne zum Beispiel Ausschläge verursachen. Prinzipiell gibt sie den Tipp: Viel Wasser trinken, das ist ebenfalls gesund für die Haut. Gemüse wie Spinat und Brokkoli essen, das enthält auch viel Chlorophyll.