Viele Stunden am Tag ausruhen müssen, nicht einmal Fernsehen geht: Manuel ist chronisch erschöpft – und zufrieden mit seinem Leben.

Manuel Wonhas hat das chronische Erschöpfungssyndrom, genauer heißt es: ME/CFS. Ihm stehen ungefähr zehn Prozent der Energie gesunder Menschen zur Verfügung. Die Energie, die er aufbringen kann, reicht oft nur für die nötigsten Alltagsaktivitäten wie Essen und Körperpflege. Strengt er sich zu viel an, bekommt er Symptome etwa wie die einer Grippe, und er fühlt sich richtig schlecht.

"Ich bin die ganze Zeit ans Haus gebunden", sagt Manuel. "Für mich ist, seit ich die Erkrankung habe, im Prinzip Dauer-Lockdown." Manuel braucht viel Hilfe von seiner Freundin und der Familie. Das Haus verlassen geht nur mit Rollstuhl. Viele Stunden am Tag muss er sich ausruhen, also im Dunkeln liegen und nichts machen. Selbst einen Film zu gucken, ist oft zu anstrengend.

"Am Anfang war ich ein Wrack."
Manuel, hat das Erschöpfungssyndrom ME/CFS

Trotz der Erkrankung versucht Manuel positiv und optimistisch zu sein – "das war am Anfang aber gar nicht so. Am Anfang war ich ein Wrack", sagt er. "Wenn man mir früher gesagt hätte, ich würde diese Krankheit bekommen, hätte ich gesagt: Mein Leben ist vorbei."

Mit der Zeit hat er aber gelernt, mit der Krankheit umzugehen, und in gewisser Weise hat er versucht, daraus Stärke zu ziehen. Das Konzept der Achtsamkeit würde ihm helfen genauso wie Dinge, die er im Psychologiestudium gelernt hat. "Ich versuche, im Hier und Jetzt zu lesen und anerkenne, dass es mir eben auch mal schlecht geht." Manuel versucht, sich an den kleinen schönen Sachen im Leben zu erfreuen.

Auf seinem Instagram-Kanal (ich_lieg_flach) berichtet er regelmäßig über sein Leben.

Manuel Wonhas
© Privat

Traum: Unter Menschen sein

Obwohl Manuels Aktivitäten sowieso schon auf ein Minimum zurückgefahren sind, schränkt ihn die Corona-Pandemie ein. Weil er besonders vorsichtig sein muss, sind Besuche beim Arzt und Therapeuten schwieriger geworden. "Die versuche ich zurzeit zu meiden", sagt er.

Freunde treffen, was ohnehin schon selten stattfinden, ist jetzt ebenfalls schwieriger, denn mit seiner Krankheit gehört er zur Risikogruppe. Eine Covid-19-Erkrankung könnte für ihn schwere Folge haben. Darauf freut er sich auch am meisten, wenn die Pandemie einmal vorbei sein wird: Treffen mit Menschen in größeren Gruppen. Das kann er selten machen, aber wenn, dann gibt ihm das mentale Energie.