Wenn unser Knie schmerzt, können wir darauf gucken. Wenn unser Rücken schmerzt, nicht. Verschiedene Studien belegen, dass das für unser Schmerzempfinden einen Unterschied macht. Forschende der Universität Bochum konnten nun zeigen: Wenn wir unseren Rücken bei Schmerzen beobachten können, schwächt das die Schmerzen tatsächlich ab.

Fast jeder leidet mal unter Rückenschmerzen – jeder fünfte Deutsche leidet sogar chronisch darunter. In einem Experiment der Universität Bochum wurde chronisch Betroffenen per Livestream ihr eigener Rücken gezeigt. Und schon nach einer Minute nahm die Intensität ihres Schmerzes ab.

"Aus anderen Studien weiß man schon: Schmerz verändert sich, wenn wir den Ort sehen können."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Als chronisch Betroffener galt in dem Experiment, wessen Schmerzen schon länger als sechs Monate anhalten. Zudem führten die Forschenden das Experiment an einer Vergleichsgruppe durch, die keine Schmerzen hatten, erklärt Kathrin Sielker aus der Nachrichtenredaktion von den Deutschlandfunk Nova.

Blick nur auf den eigenen Rücken hilft

Die Personen beider Gruppen saßen oder lagen vor Bildschirmen, während eine Kamera von hinten ihren Rücken filmte. Außerdem wechselte das Bild auf dem Bildschirm – mal war ein Buch zu sehen, mal ein fremder Rücken, mal der eigene. Jedes Mal sollten die Personen ihr Schmerzempfinden auf einer Skala von null bis zehn bewerten. Das Erstaunliche: Die chronisch Betroffenen stuften ihre Schmerzen schon nach einer Minute geringer ein, wenn sie ihren eigenen Rücken sahen. Zeigte man ihnen aber einen fremden Rücken, veränderte sich ihr Schmerz nicht.

Diesen Effekt konnten die Forschenden auch dann beobachten, wenn sie den Testpersonen einen Schmerz von außen zufügten. Konnten die Personen die Stelle dabei sehen, bewerteten sie den Schmerz weniger stark, als wenn sie ihnen verborgen blieb – obwohl sich der Druck nicht veränderte.

"Schmerzreize werden von Nervenzellen in der Haut registriert, an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet. Wenn die visuelle Information auch noch dazukommt, kann das Hirn die Reize viel differenzierter wahrnehmen."
Kathrin Sielker, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Das liegt daran, dass wir bei Rückenschmerzen oft das Gefühl haben: Es ist gar nicht so klar, wo der Schmerz genau sitzt. Können wir unseren Rücken aber sehen, hilft uns das, den Schmerz zu lokalisieren, erklärt Kathrin Sielker. Schmerzreize werden allgemein erst mal von Nervenzellen in der Haut registriert, schließlich an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet. Wenn die visuelle Information dazukommt, dann kann auch das Gehirn die Reize viel differenzierter wahrnehmen.

Funktioniert nicht bei allen Schmerzen

Wer jetzt denkt, dass er nie wieder Schmerzen haben muss, solange er genau hinsieht: So funktioniert es leider nicht. Die Forschenden konnten diesen Effekt nur bei den Betroffenen mit chronischen, lang anhaltenden Schmerzen feststellen. Bei Massagen und manuellen Therapien kann das zwar auch noch helfen, bei Spritzen ist aber genau das Gegenteil der Fall. Hier tut es weniger weh, wenn man tapfer hinsieht.