Hunde ahmen ihre Besitzer nicht nur nach, indem sie "sinnvolle" Aktionen imitieren. Sie tun dies auch bei "sinnlosen" Handlungen. Diese "Überimitation" konnten Wiener Forschende des "Clever Dog Lab" nachweisen. Was motiviert Hunde aber dazu?
Viele Hunde bilden schnell die Verknüpfung zwischen bestimmten Verhaltensweisen und einer Belohnung: Das kann ein Leckerli oder enthusiastisches Lob sein. Sie geben Pfötchen, machen "Sitz", stellen sich tot, wenn man "Peng" sagt, machen eine Rolle oder legen beide Pfoten auf die Schnauze, um vermeintlich "verschämt" auszusehen.
Es gibt viel "unsinnige" Kunststücke, die man einem Hund beibringen kann. Und einige Kommandos wie Steh, Warte, Sitz –, die in brenzligen Situationen sogar lebensrettend sein können: beispielsweise an stark befahrenen Straßen. Der Deal ist für Hund und Mensch klar: Der Hund macht etwas Erwünschtes und der Mensch belohnt ihn dafür. Ein lohnendes Geschäft für beide Seiten.
Mit der Zeit kann man die Belohnungen verringern oder ganz weglassen und der Hund hört dennoch aufs Kommando. Klassische Konditionierung oder die instrumentelle Konditionierung sind Methoden, die beim Hundetraining helfen, bestimmte Reize mit Reaktionen zu verknüpfen.
"Ursprünglich war die Vermutung, dass Tiere nur dann imitieren, wenn es für sie einen Sinn macht, wenn sie zum Beispiel dafür etwas bekommen, wie bei Hunden üblicherweise Leckerlis."
Aber Hunde können noch mehr, zeigen Untersuchungen vom "Clever Dog Lab" des messerli Forschungsinstituts in Wien. Sie imitieren auch "sinnlose" Handlungen von Menschen, also solche, die nicht zielführend oder irrelevant sind. vor allem dann, wenn es sich um eine ihnen nahestehende Person handelt. Personen aus dem Forschungsteam ahmen sie eher nicht nach.
Experimente zeigten, dass Hunde mit ihrer Schnauze gegen ein Stück Papier mit einem Farbklecks stupsten, weil es ihnen ihr Halter vorgemacht hatte, bevor sie an eine Klappe mit Leckerlis gingen, erklärt Ludwig Huber vom "Clever Dog Lab". Oder, dass sie sich in eine Box setzten, bevor sie sich einen Spielball aus einer Kiste nahmen. Die Hälfte der beteiligten Hunde imitierte das Verhalten, erklärt der Verhaltensbiologe.
Das Ausführen sinnloser Verhaltensweisen – Überimitation genannt – lässt sich sonst nur bei Kleinkindern beobachten.
Überimitation: Hunde sind die einzigen Tiere, die das können
Die Forschenden vermuten, dass hinter diesem Verhalten ein sozialer Hintergrund steckt. Zum einen, weil der Hund vom Menschen domestiziert wurde, um bestimmte Dinge "für" den Menschen zu tun. Zum anderen, weil Familienhunde oft von klein auf mit Menschen aufwachsen und daher eine besondere Beziehung zu ihnen aufbauen. Der Biologe Ludwig Huber nimmt an, dass diese Überimitation eine Art soziales Spiel für die Hunde darstellt.
"Es wurde vorher mehrmals probiert mit Menschenaffen: mit Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans. Niemals wurde das gefunden. Das hat Forscher bewogen anzunehmen, dass das ein Spezifikum des Menschen ist."
Bevor Experimente mit Hunden durchgeführt wurden, gab es Tests mit Menschenaffen, also mit Bonobos, Schimpansen und Orang-Utans, die dieses Verhalten nicht gezeigt haben. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Forschenden davon aus, dass es sich um eine Besonderheit handelt, die nur beim Menschen vorkommt.
Durch die Experimente mit den Hunden wurde diese Annahme widerlegt. Hunde sind bisher aber die einzigen Tiere, die diese Form des Imitierens zeigen.
Im Rahmen der Studien des "Clever Dog Lab" gibt es weitere Erkenntnisse. Eine Fähigkeit, die Hunde auch mit Kleinkindern teilen, ist, Wörter nur durch Zuhören zu lernen.
