Kohle, ein fossiler Brennstoff aus der Steinzeit der Energiegewinnung? Kohle, ein Motor der Globalisierung, der die Welt befeuert! Weil er eine mächtige Lobby hat und Kosten für Umwelt und Gesundheit verschleiert werden.

Es immer dasselbe bei den Klimaverhandlungen in Paris: Jeder Spitzenpolitiker der Welt betont, wie gefährlich der Klimawandel ist und das wir nun endlich etwas tun müssten. Und dann bauen sie in ihren Heimatländern weiter fleißig Kohlekraftwerke. Selbst im Land der Klimakanzlerin wird weiter verkokst. Andere Wirtschaftsmächte wie Indien wollen jetzt erst richtig loslegen in Sachen Kohle - weil der Energieträger günstig und schnell verfügbar sei.

Barbara Unmüßig ist Mitglied des Vorstandes der Heinrich-Böll-Stiftung, die gerade einen Kohleatlas herausgegeben hat - mit Daten und Fakten über die Kohle weltweit. Die Spitzenreiter in Sachen Kohle: China, Indien und die USA. Die schlimmsten Dreckschleudern sind Braunkohlekraftwerke und davon stehen die meisten in Deutschland am Niederrhein und in der Lausitz.

"Viele wissen nicht, dass Deutschland einerseits Weltmeister bei den erneuerbaren Energien ist auf der anderen Seite aber auch Weltmeister bei der Braunkohleverfeuerung."
​Barbara Unmüßig, Mitglied des Vorstandes der Heinrich-Böll-Stiftung

Die Geschichte vom sauberen Kohlekraftwerk sei ein Märchen, auch wenn viele Politiker davon träumten, sagt Barbara Unmüßig. Weiterhin gelte: Kohle verschmutze Wasser und Luft. Immerhin würde in deutschen Kraftwerken Stickoxide und Schwefeloxide gefiltert. In China sei das anders. Die Folge: der berüchtigte Smog, der die chinesische Hauptstadt Beijing regelmäßig verhüllt. Eines hätten allerdings alle Kohlekraftwerke gemeinsam: Sie stoßen CO2 aus, das für den Klimawandel verantwortlich ist. Zwar gebe es Versuche, den Ausstoß zu verhindern, die Technik sei bislang aber noch aberwitzig teuer, sagt Barbara Unmüßig. Einige Pilotprojekte seien eingestellt worden.

"Die Kraftwerksbesitzer kapieren mittlerweile, dass Kohle viel zu teuer ist und es besser wäre, in erneuerbare Energien zu investieren."
​Barbara Unmüßig, Mitglied des Vorstandes der Heinrich-Böll-Stiftung

Warum dann immer noch Kohlekraftwerke laufen und sogar neue gebaut werden? Weil Kohle billig ist. Das allerdings auch nur, weil der Rohstoff von den Regierungen pro Jahr mit Milliarden subventioniert werde. Und Kosten für Umwelt und Gesundheit würden im Kohlepreis überhaupt nicht eingepreist, sagt Barbara Unmüßig. So entstünden zum Beispiel in China oder Indien Kosten in Milliardenhöhe, weil Menschen an chronischer Bronchitis litten. Und auch in Deutschland geht das Umweltbundesamt davon aus: Würden wir die Umwelt- und Gesundheitskosten in den Energiepreis einpreisen, stiege der um 9 bis 11 Cent pro Kilowatt.

Ein Hoffungsschimmer

In Indien arbeiten weiterhin viele Beschäftigte in der Kohleindustrie. Außerdem gibt es eine mächtige Kohlelobby, erzählt Barbara Unmüßig. Und die größte Kohlemine gehört dem Staat. Trotzdem steigen auch Indien und China in erneuerbare Energien ein. In China wird mittlerweile sogar mehr in erneuerbare Energien als in Kohle investiert. Ein Hoffnungsschimmer, sagt Barbara Unmüßig.