Coming-of-Age-Serien haben diesen einen typischen Look – egal wo sie spielen. Es sieht fast immer aus wie in einer amerikanischen Highschool. Der ideale Schauplatz um von gesellschaftlichen Tabus und den ganz großen Gefühlen zu erzählen.

Egal, ob "Elité" aus Spanien, "How to sell Drugs online (fast)" aus Deutschland oder "Sex Education" aus Großbritannien – die Serien spielen in Kulissen, die aussehen wie amerikanische Highschools.

Das ist kein Zufall und von den Serienmachern bewusst so gewählt. Zum einen, weil die Streamingplattformen ein großes Publikum ansprechen wollen und zum anderen, weil Highschools mit ihren langen Gängen – mit massenhaft Schließfächern – , mit Parks und Cafeterien perfekte Schauplätze für die dramatischen Szenen und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tabuthemen liefern.

Die Welt als Zielgruppe

Grundsätzlich sind Coming-of-Age-Serien universell, sagt Torsten Zarges vom Medienmagazin DWDL, denn Probleme in der Pubertät haben alle Jugendlichen. Doch in der momentanen Serienlandschaft falle durchaus auf, dass sich viele Produktionen auf den Look amerikanischer Highschools und ihre typischen Schauplätze konzentrieren.

"Das Genre Coming of Age ist universell. In der seriellen Ausprägung ist es dann schon amerikanisch geprägt, weil sich ein gewisser Look und bestimmte Grundkoordinaten eingeschliffen haben."
Torsten Zarges, Medienmagazin DWDL

Die Serienmacher folgten dabei einer gelernten amerikanischen Highschool-Grammatik, erklärt Torsten Zarges. Das liege vor allem daran, dass die Serien, egal in welchem Land sie produziert wurden, von Streamingplattformen wie Netflix oder Amazon Prime für die globale Verbreitung bestimmt sind.

Ein vertrauter Look

Gerade die jüngeren deutschen Zuschauer seien mittlerweile diese Optik schon aus so vielen Filmen und Serien gewohnt, dass sie sich mit der Handlung der Serien viel leichter identifizieren könnten. Alles komme ihnen bekannt und somit vertraut vor.

"Es hilft mit dem Identifizieren, wenn man etwas sehen kann, was einem bekannt vorkommt. Tatsächlich ist es für jüngere, deutsche Zuschauer aus vielen Filmen und Serien eine geläufige Optik geworden."
Torsten Zarges, Medienmagazin DWDL

Dass ausgerechnet eine amerikanische Highschool diesen vertrauten Ort darstellt, liege am Genre an sich, sagt der Medienwissenschaftler Moritz Stock, der sich besonders mit Coming-of-Age-Serien beschäftigt. Häufig seien die Protagonisten eben noch im Schulalter und befänden sich in den letzten Jahren der Schule und vor einem großen persönlichen und körperlichen Umbruch. Das ist dann eben oft mit viel Drama verbunden.

Highschools bieten viele Schauplätze

Das erleben wir Zuschauenden aber nicht im gespielten Unterricht, sondern in den Pausenzeiten dazwischen: Hitzige Diskussionen, gebrüllte Wortduelle über die Esstische der Cafeteria hinweg oder geflüsterte intime Geständnisse zwischen Bücherregalen und am Ende knallen fast immer Schließfachtüren.

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Das alles bieten die vielen und unterschiedlichen sozialen Räume einer Highschool deutlich besser als beispielsweise eine deutsche Schule, sagt Moritz Stock. Es gehe also bei der Drehortwahl auch um die Frage, wie man die Schule als Schauplatz zwischenmenschlicher Geschichten inszenieren und darstellen kann.

"Man muss immer auch Orte finden, wo Konflikte erzeugt werden können: zum Beispiel die Cafeteria. Es geht auch immer darum: Wie kann man Schule auch als sozialen Erfahrungsraum inszenieren und darstellen?"

Dennoch werden die Serien trotz ihrer ähnlichen Spielorte nicht langweilig. Das zeigen auch ihre Beliebtheitswerte. Unter den Top 10 der beliebtesten Netflix-Serien des letztes Jahres in Deutschland sind allein fünf Coming of Age Serien.

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Gesellschaftliche Tabus werden ausgesprochen

Für Torsten Zargas ist das Coming-of-Age-Genre eines der Wichtigsten unserer Zeit. Für ihn schafft das Genre schaffe als eines der wenigen, wichtige Debatten unserer Zeit aufzugreifen und unserer Gesellschaft zu zeigen, dass es noch einiges zu lernen gibt – auch in Sachen Aufklärung.

"Es ist sicherlich ein ganz wichtiges und zentrales Genre unserer Zeit. Weil wir als aufgeklärte Gesellschaft gemerkt haben, dass wir dazulernen müssen."
Torsten Zarges, Medienmagazin DWDL

In der spanischen Serie "Elité" geht es beispielsweise um Bi- und Homosexualität, um Liebe zwischen einem Christen und einer Muslima oder zwischen armen und reichen Jugendlichen. Auch das Thema HIV wird deutlich angesprochen.

In der Serie "Sex Education" lässt eine Lehrerin eine Gruppe von unterschiedlichen Mädchen so lange in der Bibliothek, bis sie herausgefunden haben, was sie alle verbindet. Nach vielen Erzählungen ist klar: Es sind ihre Erfahrungen mit übergriffigen Männern. Ein eindeutiges Statement zur #MeToo-Debatte.