Civilization 6 ist ein erfolgreiches Strategiespiel, in dem ihr euch durch tausende Jahre Geschichte der unterschiedlichsten Völker spielt. Doch der nordamerikanische Stamm der Cree ist mit seiner Darstellung vollkommen unzufrieden.

In dem neu erschienen Teil 6 "Rise and Fall" des Strategiespiels Civilization können Spielerinnen und Spieler in die Rolle des Chiefs Poundmaker, dem Anführer der Cree, schlüpfen. Doch Milton Tootoosis, Stammes- und Ratsmitglied der Cree, kritisiert, wie der Stamm in dem Spiel dargestellt wird.

Die falsche Darstellung des Stammes entsteht durch das Spielprinzip: Eine Nation oder ein Volk soll immer größer und mächtiger werden. Zu diesem Zweck werden Kriege geführt. Kriege sind dem Stamm der Cree jetzt nicht fremd, aber so, wie sie in dem Spiel dargestellt werden, hat das wenig mit der tatsächlichen Geschichte des Stammes zu tun, sagt Milton Tootoosis. Denn bis heute leiden die Stammesmitglieder unter den Folgen der Kolonisierung Amerikas durch die ehemaligen Kolonialmächte.

"We are still trying to work our way out of the tremondous, horrific, negative impacts of colonization, imperialism, the concepts of doctrine of discovery and genocide. Our Elders are very not happy, that Chief Poundmaker is being portrayed in a way, that totally contradicts the values, that he represents."
Milton Tootoosis, Stammes- und Ratsmitglied der Cree

Das Widersprüchliche oder Verzerrende entsteht dadurch, dass die Spieler als Stammesmitglieder der Cree, die ja Opfer der Kolonialherren wurden, kriegerisch Land nehmen, und selber als Kolonialmacht auftreten. Die Cree kritisieren das Spiel, weil es ihre Geschichte ignoriert. Der Spieleentwickler Firaxis hat auf die Kritik bislang nicht reagiert.

Spielprinzip steht über den Tatsachen

Die Cree sind nicht der erste nordamerikanische Stamm, der in dem Computerspiel auftaucht und um die Vorherrschaft kämpft. Zuvor waren Irokesen, Schoschonen oder Sioux Teil des Spiels. Diese Stämme hatten sich in der Vergangenheit aber nicht beschwert.

Dagegen hat sich 2017 Bolivien über die Darstellung des Landes in dem Spiel "Ghost Recon: Wildlands" des französischen Unternehmens Ubisoft beschwert. Die Spieler ballern sich als US-amerikanische Spezialsoldaten durch Bolivien, das sich in einem Drogenkrieg befindet. Das Land wird als ein krimineller Drogenmoloch pauschalisiert. Doch auf die Beschwerde der bolivianischen Regierung gab es nur die Antwort, dass sich das Unternehmen hier noch im Rahmen der künstlerischen Freiheit bewege. Geändert wurde nichts.

Spiele und die angepassten Realitäten: