Ihr schneidet die Nachrichten, wählt die Kameraeinstellungen, plant die Werbung und sucht für den Sportteil die spannendsten Bilder raus. Das sind die Aufgaben im Game "Not For Broadcast". Der Haken dabei: Ihr arbeitet für ein totalitäres System.

Das Setting: Im Computerspiel "Not for Broadcast" befinden wir uns in einer alternativen Realität in den 90er-Jahren. Wir sind eine Reinigungskraft und zufällig in der Sendestation, als plötzlich ein Typ anruft, der den Job im Sender eigentlich machen sollte, aber verhindert ist. Er sagt am Telefon: Wir (Spieler/in) müssen vor Ort alles regeln, er würde uns am Telefon unterstützen.

"I’ve got a bit caught up, so you’re gonna have to run the news tonight. Don’t worry, it’s not hard and I’m gonna stay on the phone to help you."
In "Not for Broadcast" übergibt "Dave" das Zepter an uns als Spieler(in)

Im Spiel gab es an diesem Abend eine wichtige Wahl. Wir müssen gleich die erste Sendung danach bestücken und beschäftigen uns unter anderem mit dem Wahlsieg einer Partei, mit der niemand gerechnet hat.

Chef(in) der Regler im TV-Studio

Wir sind in einem kleinen Raum und bedienen ein Steuerpult mit Monitoren, Knöpfen, Reglern, Schaltern usw. Außerdem gibt es einen VHS-Kassetten-Rekorder (!). Wir können Werbung raussuchen, Schimpfwörter zensieren, Monitore zuschalten und am Ende die Bilder auswählen, die gesendet werden. Das Material für die Sendung ist aber vorgegeben, ich kann also nur eine Auswahl treffen.

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Zum Beispiel hat der Gamer zwei Aufgaben gleichzeitig, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin Jana Reinhardt: die vier Kameraperspektiven passend zusammenschneiden und die Flüche des Interviewten rausfiltern.

"Ich muss den aktuellen Redner zeigen und die Reaktionen des Gegenübers, ohne zu lange auf einer Kamera zu bleiben. Außerdem flucht der Typ ständig, und ich muss seine 'Fucks' und 'Twats' zensieren. Das ist echt stressig."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Das Spiel bewertet, wie gut ich bin. Ich verliere Zuschauer oder werde direkt gefeuert, wenn ich etwas schlecht schneide oder nicht zensiere. Mit Jana Reinhardt hat das "etwas Interessantes" gemacht, sagt sie: Denn auch wenn sie etwa einen Politiker unsympathisch fand, wurde sie zur Perfektionistin, wenn es darum ging, die Kamera immer schön exakt zu den Aussagen der jeweiligen Sprecher zu wechseln.

Trashig-innovative Politsatire mit "Full Motion"

In "Not for Broadcast" sind die Spielenden nur ein kleines Rädchen in einem totalitären System, sagt Jana Reinhardt.

"Das Spiel ist eine bitterböse Politsatire, in dem die Spielmechanik aber auch gut zeigt: Du bist ein Rädchen in diesem System, du musst hier schon kreativ werden, um die Regeln zu brechen und etwas zu verändern, ohne gleich gefeuert zu werden."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

"Not For Broadcast" ist ein Spiel mit richtigen abgefilmten Schauspielern, ein sogenanntes Full Motion Video (FMV). In den 90ern, als die Grafik noch nicht so weit war, konnte man damit qualitativ ein bisschen mehr rausholen, berichtet Jana Reinhardt. Obwohl es, durch den Mix aus Game und Film und Overacting der Schauspieler, schon damals schon auch ein bisschen trashig wirkte, sagt sie.

Die Spieleentwickler von Notgames kommen aus dem Theater- und Comedybereich. Für sie war es selbstverständlich, mit echten Schauspielern zu arbeiten. Deshalb haben sie die FMV-Technik gerne wieder ausgegraben. Manchmal habe das was von Monthy Python, sagt Jana. Etwa, wenn die Austragung eines erfundenen Sportspiels gesendet wird, während nackte Protestierer durch die Bilder laufen und wir aufgefordert werden, sie möglichst komplett rauszuschneiden.