"Through the Darkest of Times" heißt das Computerspiel, in dem ihr eine Widerstandsgruppe organisiert. Das Management-Game spielt in Nazi-Deutschland, kurz nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler 1933. Ein spannender Blick in die Geschichte, bei dem es Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin Jana Reinhardt eiskalt den Rücken herunterläuft. Denn viele Szenen erinnern sie unser Deutschland der Gegenwart.

Das Game "Through the Darkest of Times" versetzt euch ins Jahr 1933 nach Berlin. Im Hinterzimmer einer Gaststätte organisierst ihr heimlich eure Gruppe aus anderen Mitstreitern wie Herta Kaufmann oder Peter Klein. Die Figuren sind nicht historisch, aber viel aus den Widerstandsgeschichten in Berlin ist in das Spiel miteingeflossen.

Ihr leitet eine Widerstandsgruppe

Ihr plant strategisch den Widerstand: Wer in der Gruppe organisiert Geld? Wer kümmert sich um Flugblätter? Diese Aufgaben finden sich als Aktionspunkte auf dem Berliner Stadtplan wieder. Aber es geht nicht nur darum, die Gruppe zu organisieren, sondern auch vor den Nazis zu fliehen und sich zu verstecken, die längst mitbekommen haben, dass ihr etwas plant.

Das Spiel fordert aber ständig, dass ihr Aktionen - wie Parolen an Wände malen oder Brandsätze werfen – macht, weil ihr sonst Punkte verliert. Punkte verlieren bedeutet: die Moral in eurer Gruppe sinkt und ihr verliert Mitstreiter. Hinzu kommt: Automatisch verliert ihr zehn Punkte pro Woche, weil die Moral ohnehin mit der Zeit verloren geht, sagt Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin Jana Reinhardt.

"Ich habe selten Spiele gespielt, die sich so anfühlen, als sei der Kampf ohnehin schon verloren."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

Das Besondere an dem Spiel: Die Figuren entwickeln immer mehr Persönlichkeit, sagt Jana. Das führt aber auch dazu, dass es in der Gruppe Krach gibt. Zum Beispiel haben Konservative und Kommunisten nicht viel Gemeinsames. Als Chefin der Widerstandsgruppe müsst ihr dann den Streit schlichten.

"Das Lebendige und Unvorhersehbare macht das Spiel vor allem spannend."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

Zwischen den Planungsaufgaben erfahrt ihr, wie das Leben in Berlin während des Nazi-Regimes war. Beispielsweise wird ein Geschäft mit Schildern von Nazis boykottiert, weil es einem Menschen jüdischen Glaubens gehört. In dieser Situation könnt ihr entscheiden, wie ihr euch verhalten würdet: Geht ihr in dem Laden einkaufen, geht in die Konfrontation mit den Nazis oder lauft ihr schnell weg?

Through the Darkest of Times Paintbucket Games
© Through the Darkest of Times | Paintbucket Games

Parallelen zwischen Geschichte und Gegenwart

Das ist alles gar nicht so weit weg von unserem Deutschland der Gegenwart. Jana gruselt es bei den Szene, weil sie an den Anschlag in Halle 2019 oder die Schüsse auf das Büro des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby erinnert wird.

"Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter, weil für jede dieser Situationen im Spiel kann ich eine ähnliche Geschichte aus dem heutigen Deutschland erzählen: In Halle – der Anschlag auf eine Synagoge mit zwei Toten -, und jetzt vor kurzem Schüsse auf das Büro eines Bundestagsabgeordneten."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

Der Spieleentwickler Jörg Friedrich von Paintbucket Games sagt, dass das Jahr 2016 für ihn einschneidend war: Donald Trump äußert sich rassistisch, populistisch und wird zum Präsidenten der USA gewählt, die Briten stimmen für den Brexit und in Deutschland findet ein Rechtsruck in der Debatte um die Aufnahme von Geflüchteten statt. Gründe genug ein Spiel wie "Through the Darkest of Times" zu entwickeln, um aus der Geschichte zu lernen.

"Eine Parallele ist, dass die Leute in den 20ern in Deutschland und ganz besonders in Berlin sich nicht vorstellen konnten, dass der gesellschaftliche Fortschritt, der erreicht ist, nicht auch wieder zurückgedreht werden könnte."
Jörg Friedrich, Spieleentwickler Paintbucket Games

Wie der Faschismus immer mehr Raum einnimmt, sich die Angriffe auf Menschen häufen und wie Menschen dieses System nutzen, um ungestraft Angst und Gewalt zu verbreiten, das zeigt das Spiel gut, sagt Jana.

"Wenn die Demokratie und die Meinungsfreiheit wirklich erstmal weg sind, dann ist es fast unmöglich sie aus einem Widerstand heraus zurückzuholen."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin

"Through the Darkest of Times" ist ganz offensichtlich ein Kommentar auch gegen den heutigen Hass und die Neo-Nazis, sagt Jana. Das Spiel ist nicht neutral, sondern nimmt eine klare Haltung ein. "Das macht das Spiel für mich zu einem der wichtigsten Titel dieses Jahres."