Es gibt zu wenige Frauen in der deutschen Spielebranche. Sagt unsere Game-Expertin und Spieleentwicklerin Jana Reinhardt. Aber sie kennt auch Lösungen, wie sich das in Zukunft ändern könnte.

Die Computerspiel-Szene hat einige große Namen hervor gebracht. Sid Meier hat "Civilization" erfunden. Chris Roberts arbeitet gerade am Megaprojekt "Star Citizen". John Romero ist einer der "Doom"-Erfinder. In Deutschland genießt Jan "Poki" Müller-Michaelis dank seiner "Deponia"-Reihe einen hervorragenden Ruf als Games-Geschichtenerzähler. Viele große Namen. Viele männliche Namen. Wo stecken die Spieleentwicklerinnen?

"Wenige Frauen in der Spieleindustrie"

Jana Reinhardt von Rat King Entertainment ist eine von ihnen: Sie ist unsere Game-Expertin bei DRadio Wissen, hat mit dem Puzzle-Exploration-Spiel "TRI" den Deutschen Computerspielpreis 2015 gewonnen und auf Video Game Ninjas schreibt sie über Frauen in der Spieleszene. "Wir sind immer noch recht wenige Frauen in der Spieleindustrie", sagt sie. Auf einer Liste mit weiblichen Producern, Grafikern, Programmierern und so weiter kommt sie auf etwas mehr als 100 Frauen. "Um mehr zu finden, muss man sich schon sehr genau umhören."

Workshops nur für Frauen

Es gibt bereits Lösungen für den Frauenmangel in der Branche: Events wie der Girl's Day sollen Frauen und Mädchen für technische Berufe begeistern, im Gamesbereich gibt es etwa das "Female Game Developer Meetup", den Workshop "Girls Make Games" oder die Ein-Tages-Konferenz "Womenize" zur Gamesweek in Berlin. Die Workshops sind nur für Frauen. "Selbstbewusstsein und Selbstwahrnehmung zu fördern ist da ein wichtiger Punkt", erklärt Jana.

"Das Problem, das Frauen oft haben, sind leider auch die Frauen selbst. Frauen sind oft schüchtern und schätzen sich selbst selten als Experten ein. Obwohl sie jahrelang auf einem Gebiet tätig sind."
Jana Reinhardt, DRadio Wissen

Das Branchenmagazin gameswirtschaft.de hat gerade 33 Games-Experten befragt, wie das Jahr 2017 werden wird. Unter den 33 Größen aus der deutschen Spielebranche war nur eine Frau. Laut Chefredakteurin Petra Fröhlich waren mehr Frauen angefragt, doch die wollten oder durften sich nicht äußern. "Aber wir brauchen diese Frauen als Vorbilder", sagt Ruth Lemmen, die Veranstalterin der Womenize-Konferenz. Doch seien Frauen zurückhaltender als männliche Kollegen: "Es war ganz schwierig tatsächlich Kolleginnen zu bewegen, Vorträge zu halten."

DRadio-Wissen-Gamerin Jana Reinhardt fordert, dass ihre Kolleginnen aus der Spielebranche mehr aus der Komfortzone heraustreten und präsenter werden: "Da kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass sich das lohnt, weil man so sein Umfeld und die Szene in der man arbeitet aktiver mitgestalten kann." Damit den Spielern eben nicht nur John Romero und Sid Meier einfallen, wenn es um berühmte Gamedesigner geht.