Depression oder Schizophrenie in Games nacherleben und sie so besser verstehen, ist nicht nur für Gamer spannend. Spiele wie "Hellblade: Senuas Sacrifice" zeigen auch, wie wir mit diesen Erkrankungen umgehen können. Sie können sogar in der Therapie eingesetzt werden.

Senua heißt die Heldin des Games "Hellblade: Senuas Sacrifice". Die keltische Kriegerin im Lara-Croft-Style hört Stimmen und sieht Dinge, die es nicht gibt, trägt den abgeschlagenen Kopf ihres Geliebten in die Hölle und kämpft gegen Kreaturen aus ihren Alpträumen. Vordergründig geht es im Spiel darum, dass Senua die Seele ihres ermordeten Geliebten retten will. Eigentlich aber geht es um den Kampf gegen ihre inneren Dämonen.

Für Computerspieler Julian Laschewski ist klar: Senua hat eine Psychose und leidet nicht nur an einer Depression, sondern auch an Schizophrenie. Vor fünf Jahren wurde bei Julian selbst eine Depression diagnostiziert. Wenn er "Hellblade" spielt, erzählt er, kann er nachfühlen, was in Senua vor sich geht. Für die gute Umsetzung der Krankheiten im Spiel wurde "Hellblade" auch mehrfach ausgezeichnet.

"Das Spiel zeigt sehr gut, wie es ist, beispielsweise mit der Schizophrenie zu leben, überall Stimmen zu hören, die einem dann ganz viel widerlichen Kram zuflüstern."
Julian Laschewski ist Depressionspatient und spielt gerne "Hellblade".

Julian erinnert sich an besonders schwierige Phasen, in denen er Stimmen gehört hat, die ihm sagten, er sei wertlos und niemand würde ihn vermissen, wenn er tot sei. Über seine Erfahrungen mit seiner Krankheit hat er ein Buch geschrieben: "Alles nur in meinem Kopf".

Psychische Krankheiten werden meist nur negativ dargestellt

Eine Untersuchung hat gerade ergeben: Meist werden psychische Erkrankungen in Games komplett negativ dargestellt. Das sei sehr bedauerlich, meint Christiane Eichenberg. Sie leitet das Institut für Psychosomatik an der Sigmund-Freud-Privatuniversität in Wien und weiß: Computerspiele können auch in Therapien eingesetzt werden. Wenn sie dem Thema gerecht werden.

"Sparx" zum Beispiel, ein Fantasy-Rollenspiel, in dem der Spieler Aufgaben erledigen muss. Das Spiel ist unterhaltsam und Patienten können es auch gut außerhalb einer Therapie spielen. Dann wenn eine Depression schwächer ausgeprägt ist, könne das Spiel schon helfen, eine Verbesserung des Zustands zu erzielen, sagt Christiane Eichenberg.

Games als Therapiemöglichkeit kaum bekannt

Die Psychotherapeutin hat mit ihrem Team untersucht, wie weit verbreitet der Einsatz von Games für therapeutische Zwecke ist. Das Ergebnis: Nur wenige Ärzte und Patienten wissen von der Möglichkeit.

"Die meisten haben erst durch unsere Studie davon erfahren, dass es so Spiele überhaupt gibt. Als sie davon erfahren haben, haben aber 95 Prozent beider Gruppen gesagt: Das können wir uns sehr gut vorstellen."

Julian findet Games wie "Hellblade" gut, weil so auch Menschen etwas über psychische Erkrankungen erfahren, die sonst keinen Zugang dazu haben. Seiner Meinung nach werden psychische Krankheiten noch immer stark tabuisiert.