Die Corona-Krise lähmt das öffentliche Leben, viele Menschen sind auf sich selbst zurückgeworfen, Kultur, Musik, Lesungen - alles nur online. Daher teilt auch die Schriftstellerin Cornelia Funke die ersten Kapitel des vierten und noch unveröffentlichten Tintenwelt-Bandes online. Die Geschichte ist für alle, sagt sie. Egal in welchem Alter.

Eigentlich war die Veröffentlichung des vierten Teils der Tintenwelt-Reihe erst für Ende 2021 geplant ─ dann kam die Corona-Krise. Als Trost für ihre Leserinnen und Leser in dieser schwierigen Zeit gibt die Schriftstellerin Cornelia Funke die erste Hälfte der Tintenwelt-Fortsetzung "Die Farbe der Rache" online heraus. "Ich habe ein ziemlich gutes Gefühl bei dem neuen Buch und statt es in meiner Schublade zu haben, gebe ich es euch einfach", erklärt sie. Alle zwei Wochen gibt es jeweils ein Kapitel vom vierten Tintenwelt-Band als live vorgelesenes Hörbuch per Stream.

"Als ich jetzt die ganzen traurigen Tweets und Facebook-Einträge las, habe ich überlegt, was ich als Geschichtenerzählerin machen kann, um die Leute zu trösten."
Cornelia Funke, Schriftstellerin

Fertig geschrieben ist die unveröffentlichte Fortsetzung allerdings noch nicht. Darauf weist Cornelia Funke immer wieder hin, sagt sie. Bis zum eigentlichen Release könne sich an manchen Stellen also auch wieder etwas verändern. Was aber bleibt, ist das Spiel mit der Fantasie.

Fantasie ist entscheidend

Ein Leben ohne Fantasie könnte sich die Autorin nicht vorstellen. "Für mich definiert das den Menschen. Wir sind die einzige Spezies auf dem Planeten, die sich vorstellen kann, plötzlich Flügel zu haben oder sich ein Fell wachsen zu lassen", so Cornelia Funke. Gerade Zeiten wie diese sehe sie als Chance, mehr Fantasie und Kreativität in die Welt zu bringen.

Bei vielen ihrer befreundeten Künstlerinnen und Künstlern erlebt sie gerade, wie sie sich kreativ ausleben, erzählt die Schriftstellerin. Pausenlos würde sie Musik, Skizzenbücher oder Geschichten von ihnen erhalten.

Chance sich zu entwickeln

Die in Kalifornien lebende Autorin sieht in der aktuellen Situation daher auch eine Möglichkeit der Weiterentwicklung: "Wenn man in einer Geschichte an die unheimlichen Stellen kommt, genießt man die meist besonders oder man erfährt über sich selbst zumindest etwas. Deswegen kann ich nur raten: So was passiert euch wahrscheinlich nie wieder. Nutzt die Zeit und lernt daraus sehr interessante Sachen über euch selbst und andere".

"Bei Lesungen kommen immer noch erwachsenen Frauen auf mich zu und sagen mir 'Cornelia, ich war ein wildes Huhn'."
Cornelia Funke, Schriftstellerin

Sie selbst arbeitet gerade an einem Drehbuch für einen Film. Er soll die Geschichte der "Wilden Hühner" mit Anfang 30 weitererzählen, berichtet sie. Damit komme sie dem Wunsch vieler Leserinnen und Leser nach, die früher "Wilde Hühner" waren und mittlerweile erwachsen sind. Beginnen soll die Fortsetzung kurz vor dem 30. Geburtstag der Charaktere. Cornelia Funke verrät außerdem, dass es im Film um eine Hochzeit gehe. Wer heiratet und ob die Hochzeit tatsächlich stattfindet, bleibt aber eine Überraschung, so Funke.